Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

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Jonas_Kessler
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Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Jonas_Kessler » Fr Okt 04, 2019 4:32 pm

Waterloo in der Garage - passt irgendwie in keine Rubrik...

Soeben frohgemut die ersten Löcher in die neue Chassisdichtung gestanzt, um die Hochzeit zu feiern.

Dabei sind dann unzählige Pusteln auf dem neu lackierten Bodenblech aufgefallen. Ein bisschen daran herumgekratzt und siehe da: Wasser drunter. Mit dem Schraubendreher mal kräftiger geschabt: Der Lack springt schön ab, drunter feuchte Stellen, das Blech teils blank, teils schwärzlich angelaufen. Nach ein paar Sekunden an der frischen Luft färbt sich das blanke Blech dann zusehends flugrostbraun. Wie im Fotolabor.

Also nix Hochzeit, sondern alles wieder abkratzen und schleifen und neu versiegeln usw.

In der Bodenwanne ist über viele Wochen Wasser gestanden, weil die drübergestülpte Persenning undicht war. Dafür langt der Regen also trotz Klimawandel noch.

Fatalerweise habe ich nicht dokumentiert, wie ich den Lackaufbau gemacht hatte. Deckschicht sicher Bratho-Robustlack, darunter eine Brantho-Grundierung (3in1 oder Nitrofest), darunter vielleicht noch was schwarzes? Vielleicht Brunox? Keine Erinnerung mehr, ist zu lange her. Deshalb will ich auch nicht sagen, dass irgendeines der genannten Produkte versagt hat. Versagt habe ich, weil nix aufgeschrieben und alle Schichten schwarz in schwarz (was ich an Karosserien immer ganz bewusst vermeide, indem jede Schicht grundsätzlich anders eingefärbt ist - beim Chassis leider aus sinnlosem Originalitätswahn nicht an das edele Prinzip gehalten).

:wall:

Immerhin ist mir das Problem noch rechtzeitig aufgefallen, ist auch schon was. Das nächste mal , also jetzt dann, gibts 2-K-Epoxy als Grundierung. In Hellgrau.

Mein Patchwork-Sohn feixt schon, weil es seine Chancen auf das gewettete Tragl Bier wieder steigen sieht - wenn er denn seinen unsäglichen Schrott vom Typ Ford-Fiasko tatsächlich schneller über den TÜV bringen sollte, als ich meinen Karmann. Hier gehts immerhin um das Rennen Automechaniker im 3. Lehrjahr vs. Hobbyschrauber im 35. Lehrjahr.

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Wolfgang Klinkert
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Re: Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Wolfgang Klinkert » Fr Okt 04, 2019 5:07 pm

Eijeijei Jonas, :shock: ........ das ist ja bitter. :cry:
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Rolf-Stephan Badura
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Re: Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Rolf-Stephan Badura » Fr Okt 04, 2019 5:58 pm

Hallo Jonas,

Autsch - und Beileid.

Aber hört sich so an, also ob Du einfach richtig Glück gehabt hast den Schund jetzt so rechtzeitig zu entdecken.
So ärgerlich das kurzfristig für Deinen Zeitverzug ist. Später hätte es mehr Aufwand bedeutet.
Kopf hoch, ... und weiter... wird schon - und lass dem Jungvolk auch mal die Lorbeeren, wenn so fleißiger Nachwuchs :gut:

seit-fast-20-Jahren-haltbare-POR15-grau-schwarz-Grüße,
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Andreas Bergbauer
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Re: Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Andreas Bergbauer » Fr Okt 04, 2019 7:01 pm

Hallo Jonas,

das finde ich jetzt echt schei*e. Ich tippe auf eine chemische Reaktion in Zusammenhang mit dem Wasser.

Ich habe in den letzten Jahren feststellen müssen, dass Brantho Korrux gut ist, aber bei fehlender Überlackierung irgendwann zu hart und spröde wird. (Heckklappe Skoda, aus Faulheit nur "branthoisiert" und nie überlackiert... Ich denke eher, dass es mit einem der Produkte drunter reagiert hat und das entstehende Gas Blasen geworfen hat. Diese saugen sich dann mit Wasser voll, da sie sehr dünn sind.

Warum sollte es Dir anders gehen? :unbekannt:
Wir Garagenlackierer sind von der Witterung stark abhängig, ich habe Ende August meinen Karmann Teillackiert, Front, rechter Kotflügel und Dach (bei herausgenommenen Scheiben), weil ich Stück für Stück "1 x rum" will wegen dem auskreidenden Lack.
Und rate mal was...genau am Lackiertag war es zu kalt. Ich konnter aber wegen der geplanten Italienfahrt nicht warten und habe es gewagt, massenweise Läufer drin, wie eine Anfängerlackierung, ich hab mir sowas in den A... gebissen, vorher alles top und perfekt und der letzte Schritt daneben. :wall:

Ich muss da nochmal ran, nächstes Jahr, irgendwann....

Von Dir habe ich gelernt, dass Epoxy-Spachtel besser ist, da nicht wasseranziehend. Dafür bin ich Dir dankbar, toll zu verarbeiten, bessere Endfestigkeit und besser schleifbar.
Ich bin in dem Zug (Du kennst ja die Stelle am Scheibenrahmen mit der abplatzenden Spachtel...) auf 2k-Epoxy-Grundierung umgestiegen bin, ist auch Ruhe mit der Haftfähigkeit der weiteren Schichten. Nie wieder 1K-Grundierung und, so weh es tut, kein Brantho Korrux unterm Lackaufbau.
Und nie wieder Ployesterspachtel, nur zum Füllen der letzten Poren.

Ich denke deshalb auch, dass 2K Epoxy oder generell eine 2K-Grundierung für das Chassis die beste Wahl nach der Flammverzinkung ist.

Kopf hoch, wird schon. Will Dich mal damit fahren sehen.
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Re: Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Hans Weberhofer » Fr Okt 04, 2019 9:26 pm

Servus,
abgesehen von der ganzen schei*e (lt. Andreas) brauchst du keine Löcher in die Chassisdichtung stanzen.
Die Schrauben sind angespitzt und du kannst die Chassisdichtung nach der Hochzeit damit durchstechen.

PS.: Ich habe auch die Löcher gestanzt und hinterher irgendwo gelesen dass dies anders handgehabt wird :!:

Gruß
Hans
der ein 69er Cabrio hat
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und der Sommerhit von damals - Sir Douglas Quintet mit Mendocino!

http://www.youtube.com/watch?v=nFbI8uVUFP4

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Stephan Knecht
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Re: Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Stephan Knecht » Fr Okt 04, 2019 11:39 pm

Wau. Solche Rückschläge sind heftig, aber für uns Feierabend- und Wochenendschrauber normal bei einer Vollresto. Lass dich bloss nicht davon beirren, aber danach klingt es auch nicht.

Meine beiden Karossen sind bislang gut geblieben, bei unterschiedlicher Bearbeitung:
Coupe: Sandgestrahlt => 2k Grundierung => 2k Decklack (7 Jahre).
Cabrio: Sandgestrahlt => Spritzverzinkt => 2 x Brantho Korrux 2-in-1 (2 Jahre).

Tolle Rückschläge produzier ich dafür schön regelmässig bei den Bremsen / Radlagern, wenn ich mal wieder die Hinterachse versaue und dann das Öl über die Bremsbacken fliesst, oder beim Entlüften der Nippel dazu abreisst, oder der Kolben im Hauptbremszylinder nicht mehr zurück kommt weil er vorne im Dreck feststeckt, oder wenn eine Bremsbacke nicht im Schlitz des Kolbens des Radbremszylinders steckt worauf dieser beim ersten Bremsversuch explodiert und die Bremsflüssigkeit einem Geysir ähnlich oben rausspritzt, usw. Ich sollte mir überlegen, meinen Garagenboden zu streichen mit einem Lack, der resistent gegen Bremsflüssigkeit ist.
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Re: Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Jonas_Kessler » Sa Okt 05, 2019 10:09 am

Danke für die aufrichtigen Beileidsbezeugungen.

Die Erfahrung mit zu sprödem und schlecht haftendem Korrux Nitrofest habe ich inzwischen auch gemacht. Ich hatte mein Cabrio vor 8 Jahren damit komplett grundiert und heute springt der Lack sehr gerne mitsamt der Grundierung an allen Ecken und Kanten vom Blech und ich habe eine ganz gruselige Sammlung von Spachtelrissen - da wo 1K Grundierung unter dem Spachtel ist. Darf mal also nicht unter Spachtel einsetzen. Punkt.
Das ist sehr schade, denn die anderen Eigenschaften von Nitrofest sind ja eigentlich genial, besonders das beliebige Überstreichen ohne Anschleifen.
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Mal sehen, wie ich diese dunklen Eisenverbindungen vom Blech runterbekomme, werde da wohl einige N€g€rkekse verarbeiten müssen. Wie heißen die gleich noch mal offiziell?
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Laut VW soll man ja für die großen Schrauben am Napoleonhut vorher lochen, was sicher Sinn macht.
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Zum Thema Spachtelriss und die Haftungsfrage hab ich noch was:
VW T3 Bus-Türe, vor einigen Jahren auf den Originallack großzügig Polyester-gespachtelt. Pfusch, klar, zu dick, aber zum korrekten Ausbeulen hatte ich keine Lust.
Diesen Winter hat es den Spachtel dann endlich zerrissen und mitsamt der originalen VW-Grundierung vom Blech abgeschält. Die Stelle hat zwar jetzt dann doch mal Flugrost angesetzt, das Blech war aber vorher ein gutes halbes Jahr einfach völlig blank geblieben, trotz permanenten Laternenparkens.

Meine Schlüsse daraus: Auch VW bekommt nicht immer gut haftende Grundierungen hin. Und das Blech war vielleicht ab Werk doch nicht so gut entfettet, wie es sein sollte.

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Re: Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Jonas_Kessler » Sa Okt 05, 2019 10:32 am

Übrigens habe ich großen Respekt davor, dass die Jugend schraubt und wie unerschrocken die Jungs da rangehen. Manchmal halt zu forsch - die Fotos von den ausgebauten Nockenwellen im Einfahrt-Kies zeige ich jetzt nicht - und dass danach Vater und Stiefbruder gemeinsam ran mussten, um die Steuerzeiten vom 16V-Motor wieder irgenwie in den Griff zu bekommen. Zum Glück hatte der Knabe vorher noch keinen Starversuch gemacht...
Es freut mich riesig, dass da geschraubt wird. Und ich unterstütze die Jungs gerne in ihrem Tun. Ich versuche nur gelegentlich darauf hinzuweisen, dass die Mühe sich auch lohnen darf und ein halbherzig geschweißter nicht-mal-Youngtimer-Fiesta im Endstadium weder auf der Straße noch im Verkauf ein echter Gewinn ist. Da sind unsere 85er Jetta schon eher sinnstiftend, zwar auch nichts wert, aber wenigstens cool und mit echter Fangemeinde.

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Re: Wasser, Chassislack und eine geplatzte Hochzeit

Beitrag von Andreas Bergbauer » So Okt 06, 2019 6:43 pm

Jonas_Kessler hat geschrieben:
Sa Okt 05, 2019 10:09 am
Ich hatte mein Cabrio vor 8 Jahren damit komplett grundiert und heute springt der Lack sehr gerne mitsamt der Grundierung an allen Ecken und Kanten vom Blech und ich habe eine ganz gruselige Sammlung von Spachtelrissen - da wo 1K Grundierung unter dem Spachtel ist. Darf mal also nicht unter Spachtel einsetzen. Punkt.
Es geht schon, aber Du musst darüber 2k-Epoxy verarbeiten und diesen einige Tage aushärten lassen vor dem weiteren Spachteln.
Das Problem ist, dass die Spachtel noch so viel Lösemittel enthält, dass der Untergrund angelöst und weich wird.
Der 2K-Epoxy blockt das ab.

Weiterhin ist es schlecht handlebar, ein einziges Durchschleifen durch den Epoxy genügt, wieder mit Epoxy abdecken zu müssen.
Ich habe heuer das Brantho-Abenteuer unter sichtbarem Decklack deswegen beerdigt. :steine:
Den Epoxy pinsle ich auf Schweißnähten direkt da rein. Satt aufgetragen.
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