Kompression prüfen

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Gerhard Meier
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Kompression prüfen

Beitrag von Gerhard Meier »

Ich habe vor wenigen Tagen an einem Karmann in der hiesigen Gegend die Kompression nach ca. 6 Monaten Stillstand des Fahrzeugs geprüft, da der Motor sehr unrund lief, anfangs nur auf 3 Töpfen*. Bei leicht warmem Motor ergab die Messung gleichmäßig auf allen Zylindern 9,5 bar (1600 ccm). Gemessen habe ich allerdings nicht mit Vollgas, sondern ohne Gasbetätigung, jedoch mit getretener Kupplung, abgetrennter Zündspule und mit je Zylinder 5-6 Anlasserumdrehungen bei warmem Motor (Öl 20w-50).

Im Netz finde ich folgende Anweisung: Die Kompression sollte im betriebswarmen Zustand geprüft werden, da sich die Kolbenringe leicht ausdehnen und somit besser abdichten. Weiterhin sollten während der Prüfung die Drosselklappen geöffnet sein, also den Starterknopf erst bei der Vollgasstellung betätigen.

Andererseits finde ich diesen Hinweis: - OHNE Gas zu geben ( damit die Vergaser nicht unnötig Benzin in die Brennräume fluten)

Frage an die Motorenspezialisten: welchen Einfluß hat die Drosselklappenstellung auf die Kompression? Mehr oder weniger Druck?
Vollgas oder eher nicht?

* Nach Einstellung der Zündung, des Vergasers (zu mager, Leerlauf zu tief), Reinigung Verteilerkappe/Verteilerfinger und neuer Verbindung Kabel/ Kerzenstecker (waren teilweise lose, 1 cm Kabel abgeschitten ("ausgefranst", Grünspan), damit Kupferlitze neu auf Kerzenstecker gedreht werden kann) lief der Karmann perfekt rund und sprang auf die erste Schlüsselumdrehung an.

Gerhard
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Stefan Lenk
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Re: Kompression prüfen

Beitrag von Stefan Lenk »

Hallo Gerhard,

die Frage, ob denn nun bei geschlossener oder offener Drosselklappe die Kompression der einzelnen Zylinder des Käfermotors gemessen wird, wird tatsächlich auch in Fachkreisen unterschiedlich beantwortet. Sinnvoller ist die Messung bei Vollgas, also bei komplett geöffneter Drosselklappe. Auch sollte unbedingt der Luftfilter sauber sein; ich habe schon mal eine Abweichung von mehr als einem Bar gehabt durch einen allerdings stark verölten Papierluftfilter.
Wichtiger als die tatsächlich gemessenen Werte ist die Gleichmäßigkeit aller 4 Zylinder. Zu beachten ist hier aber auch der gute Ladezustand der Batterie. Wenn möglich, ist es kein übertriebener Luxus parallel zur Batterie ein nicht zu kleines Ladegerät zu schalten.
Klar dürfte sein, dass bei offener Drosselklappe höhere Werte zu erwarten sind.
Ein nachfolgender Test kann aber für noch mehr Klarheit sorgen. Beim nun beschriebenen Nasstest wird mit einer kleinen Platikspritze, wie man sie für wenig Geld in jeder Apotheke erhält, ca. 1 ccm Motoröl in das Kerzenloch des zu prüfenden Zylinders gegeben, der Motor dann ein oder zwei Umdrehungen von Hand durchgedreht und danach der Kompressionstest bei sonst unveränderten Bedingungen wiederholt, natürlich für alle Zylinder.

Nun gibt es zwei mögliche Ergebnisse: Der Wert steigt um 1 bis 2 bar. Schlussfolgerung: Der Kolben und/oder die Kolbenringe werden nun kurzfristig durch das Motoröl besserabgedichtet.
Im anderen Fall steigt der Wert fast gar nicht. Schlussfolgerung nun hier: Die Abdichtung an der Kopfdichtung (ja ich weiß, haben unsere Käfermotoren nicht...) oder an den Ein- und Auslassventilen ist unzureichend und kann durch das zusätzliche Öl nicht besser abgedichtet werden.

Tatsächlich ist es aber so, dass bei Motoren, die längere Zeit nicht in Betrieb waren, die Werte zu Beginn schlechter und auch stärker unterschiedlich sind. Ich habe das mal bei einem Käfermotor erlebt, der lange stand und von mir im ausgebauten Zustand nur mit Hilfe eines leeren Getriebegehäuses und eines Anlassers und eines Starthilfekabels getestet wurde.

Ich hoffe, ich habe nun nicht zu viele Informationen geliefert und Dich damit verwirrt. Bei Fragen einfach mal mailen.

Gruß Stefan aus Fürstenwalde

Stefan Lenk
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Re: Kompression prüfen

Beitrag von Stefan Lenk »

Ach so, noch eine Anmerkung zu meinen Ausführungen: Tatsächlich ist es natürlich ungünstig, wenn beim Kompressionstest bei Vollgas eben auch viel Benzin angesaugt wird und dann aber nicht verbrannt wird und an den Kolbenringen vorbei ins Motoröl kommt.
Wenn man das aber vorher bedenkt, wäre es mit wenig Aufwand doch machbar, die Kraftstoffversorgung zum Vergaser hin zu unterbrechen, indem einfach der Saugschlauch vom Benzintank zur Kraftstoffpumpe abgezogen und mit einer Schraube mit geeignetem Durchmesser, vermutlich hier 8 mm, verschlossen wird. Dann den Motor starten und laufen lassen, ruhig dabei auch Gas geben, damit das erstliche Benzin im Vergaser verbraucht wird.

Danach lässt sich der Test wie bekannt durchführen.

Und nun mal zu Deinen Werten: 9,5 bar bei geschlossener Drosselklappe ist selbst für den 1600er ein guter Wert, wobei Du durch das doch recht dicke
Motoröl 20W-50 eine gute Abdichtung hast, was das gute Ergebnis teilweise erklärt.

Berichte mal von Deinen erneuten Versuchen. Ich habe jetzt richtig Lust bekommen, auch bei meinem Karmann einen K-Test zu machen!

Gruß Stefan aus Fürstenwalde/Spree

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Gerhard Meier
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Re: Kompression prüfen

Beitrag von Gerhard Meier »

Berichte mal von Deinen erneuten Versuchen.
Stefan, an diesem Karmann werde ich die Kompression nicht noch einmal prüfen, ob das nun 0,5 mehr oder weniger sind, ist bei dem Ergebnis von 9,5 nicht wesentlich. Es bestand ja vor Prüfung die Sorge, dass der Motor hinüber sei. Ich werde aber an meinem Karmann demnächst die Ventilspiele kontrollieren und dann die Kompression testen (sofern man noch aus dem Haus darf), vor 3 Jahren lag diese bei 8,5 - 9,25.
wobei Du durch das doch recht dicke
Motoröl 20W-50 eine gute Abdichtung hast, was das gute Ergebnis teilweise erklärt.
Nichts anderes kommt in den Karmann/Käfermotor hier im Süden hinein, Insbesondere in den heißen Sommern ist bei -50 mehr Schmiersicherheit als mit -40 , zumal die Viskositätsverbesserer im Öl mit der Zeit "verschwinden" und die Viskosität dadurch abnimmt (Die Betriebsanleitung läßt bereits ab 20 Grad ein 40er Einbereichsöl zu !). Im (kalten) Norden Deutschlands mag das vielleicht keine Rolle spielen.

Grüße aus dem Südwesten Deutschlands.

Stefan Neugebauer
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Re: Kompression prüfen

Beitrag von Stefan Neugebauer »

Moin!
Also, ... wenn es "nur" darum geht zu prüfen, ob evtl. ein Zylinder einen "Schaden" hat, ist es unerheblich, ob Vollgas oder nicht.
Der Vorteil bei Vollgas (und so habe ich es auch gelernt) ist, dass der Motor wesentlich freier drehen kann.
Und wenn Du Angst hast, dass zu viel Kraftstoff in den Brennraum kommt ... bullshit. Im Gegenteil. Evtl. kommt sogar weniger Kraftstoff rein.
Warum? Ganz einfach (dazu muss ich aber etwas tiefer in Vergasertechnik, Venturi, etc. einsteigen):
Bei geschlossener Drosselklappe (und laufendem Motor) ist das Leerlaufsystem des Vergasers "aktiv". Dieses sorgt dafür, dass der Kraftstoff über die LL-Bohrungen der Verbrennung zur Verfügung gestellt wird. Der Unterdruck bei LL ist am Spalt der geschlossenen Drosselklappe am höchsten.
Wenn die Drosselklappe langsam geöffnet wird "wandert" der Druckverlauf im Vergaser in Richtung Venturidüse (im Bereich Austrittsarm "C").
Wenn also bei voll geöffneter Drosselklappe und Drehzahl von ca. 400 1/min (Startdrehzahl) die Zündung aus ist, reicht der Unterdruck nicht aus, um Kraftstoff aus dem Arm "C" zu ziehen und auch nicht aus den LL-Öffnungen im Bereich der Drosselklappe.
Ich würde einmalig die Drosselklappe voll aufmachen (dann spritzt die Beschleunigerpumpe einmalig die 1,5ccm Benzin ein) und dann alle Zylinder durchmessen.

Stefan
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