Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

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Stefan Lenk
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Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Stefan Lenk » Sa Okt 19, 2019 11:51 am

Hallo Karmannfreunde, vor allem die, deren Fahrzeuge nicht mehr so ganz serienbelassen sind!

Ich habe in meinem Fundus noch mehr als ein Typ 1-Motorgehäuse, mindestens 2 Serienkurbelwellen und auch eine gute Seriennockenwelle sowie
2 Tuningnockenwellen, wobei die eine laut persönlicher Aussage damals von Herrn Riechert in den 80ern nur für die Autobahn taugt (316°).
Die andere bin ich selbst im Käfer gefahren und in Verbindung mit "überarbeiteten" Zylinderköpfen waren auf der Leistungsrolle mehr als 85 Ps bei 5000 Upm drin.
Nun überlege ich für meinen Karmann, der serienmäßig den 1500er H-Motor hat und damit auch gut geht, mal eine nette Frischzellenkur bzw. einen Zweitmotor zum Spaßhaben. Auch der Gedanke an ein schraubbares Heckabschlußblech kommt mir dazu.
Wer hat sowas schon gemacht oder plant Ähnliches zu tun?
Über diesbezügliche Rückmeldungen würde ich mich freuen.

Euer Stefan aus Fürstenwalde
(Das liegt auf halbem Weg zwischen Berlin und Polen!)

Andreas Bergbauer
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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Andreas Bergbauer » Mo Okt 21, 2019 9:06 am

Was willst Du denn hören?

Du hast ja bereits getunte Motoren gefahren und kennst Dich aus.
Ich fahre seit 1995 leistungsgesteigert mit dem Karmann und habe meine Erfahrungen hier oft gepostet, auch zum nervenaufreibenden Neuaufbau des Motors seit Januar dieses Jahres.
Mal schnell aus übrigen Teilen einen "Spaßmotor" zusammenbauen ist jedenfalls keine gute Idee.

In "Kürze" :mrgreen: fasse ich mal unsortiert meine Erfahrungen über die Jahre zusammen:

Tune nie ein altes Kurbelgehäuse. Das ist die Basis, wenn dieses schon zu ausgeleiert ist (und das sind sie inzwischen alle), dann wirst Du diverse Probleme wir Ölundichtigkeiten, defekte Lagergassen, Lager und Kurbelwellen usw. haben. Die 1000€ Aufpreis für ein fabrikneues Gehäuse müssen sein. Noch gibt es sie, aber wie lange?
Auch neue Gehäuse müssen aber nochmals vermessen werden. :unbekannt:

Verwende nie eine nicht vermessene Kurbelwelle. Diese muss unbedingt ohne Schlag und zusammen mit der Schwungscheibe feingewuchtet sein.

Einfach Motor zusammenstecken mag funktionieren oder kann schief gehen (siehe meine Erfahrungen mit dem NW-Zahnflankenspiel... :unbekannt: :unbekannt: )

Nie ohne Frontölkühler und Ölthermostat.

Nie ohne Filterölpumpe oder einer vergleichbaren Lösung. also Hauptstromfilter

Bei Frontölkühler unbedingt eine stärkere Ölpumpe verwenden.

Nie ohne elektrische Benzinpumpe vorne unter dem Tank

Nie "Slip-In" Zylinder verwenden. Diese sind viel empfindlicher auf thermische Probleme und werden gerne oval.

Keine Wunder erwarten vom Typ1-Motor. Alles unter 100 PS ist einigermaßen haltbar, darüberhinaus was für Dauerbastler und Ausprprobierer.
Ich mag zwar als solcher gelten, aber fahre mehrere tausend km pro Jahr. Das erfordert regelmäßige Aufmerksamkeit.

Mit serienmäßigem Scheibenbremsen-Serienfahrwerk und Pendelachse werden max. 75 PS eingetragen, mehr erlaubt VW nicht.
Wegen der Bremsen nützt hier auch ein Schräglenkerfahrwerk nichts.

Achte aufs Gesamtkonzept. Einen Motor mit Drehzahl-Nocke aufzubauen bringt nichts, wenn der Ventiltrieb bei 5000 schlapp macht.

Verwende wenn möglich immer Originalteile. Viel Tuning-Zubehör hält nicht lange.

Unbedingt Langgewinde-Zylinderköpfe verwenden. Meine (Original VW Mexico, bis auf Anpassung auf die 90,5er Kolben Serie) halten schon seit 10 Jahren und haben keinerlei Risse.

Umbau auf geschraubte Kipphebelwellen ist empfehlenswert. Schon wegen der Lärmreduzierung im Ventiltrieb.

Luftregelklappen aus dem Gebläsekasten raus.

Nichts ist besser als originale Luftleitbleche. Finger weg von chromblitzendem Taiwanmüll.

Umbau auf kontaktlose Zündung nötig wegen des höheren Drehzahlniveaus

Die Vergaserabstimmung darf nicht unterschätzt werden, meist werden alte Dell'Orto oder Weber Vergaser ohne richtige Überholung eingebaut und verursachen dauernd Ärger. In Zweifelsfall vom Händler mit Garantie kaufen, wenn das Wissen dazu fehlt.

Wer auch in der kalten Jahreszeit oder Übergangszeit fährt, sollte sich unbedingt originale Heizbirnen restaurieren. Alle neuen Heizbirnen am Markt haben nicht mal 50% der Heizleistung!

Der Serienauspuff ist für moderat getunte Motoren um die 80 PS vollkommen ausreichend. Wer nicht auf Show und maximalen Lärm aus ist, spart sich den Tausender und investiert in ein neues Kurbelgehäuse. Mag sein, dass das Popometer was anderes sagt, aber ich komme mit Serienauspuff auf 190 km/h und 0-100 unter 10 Sekunden. Dafür kostet der Topf nur 70 EUR...

Ein geschraubtes Abschlussblech ist unnötig. Bei Doppelvergasern müssen diese vor Ausbau sowieso runter und bei fehlendem Serienlökühler ist der Gebläsekasten auch gleich mit abgebaut. Diesen "Flachmotor" baut man ganz leicht alleine aus- und ein.


Ich denke, das sollte erst einmal reichen. Fazit: Mach's gleich richtig. Man muss für ein Motorkonzept immer an mehreren Stellschrauben zugleich drehen.
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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Stefan Lenk » Mo Okt 21, 2019 9:29 pm

Hallo Andreas,
ich antworte Dir jetzt mal direkt.
Vielen Dank für Deine sehr detaillierte Schilderung. Auch ich hatte damals bei meinem Käfer Cabrio im Sommer auf der Fahrt nach Frankreich nach 1 h Autobahn und Vollgas plötzlich 25 % weniger Leistung, weil trotz Ölkühlung mit Thermostat (Öltemperatur konstant bei 100 ° C) das Aluminium in der Nähe der Zündkerze des 1. Zylinders geschmolzen war.
Mein Ventiltrieb war für höhere Drehzahlen optimiert worden durch z.B. Ventilfederteller aus Dural, die dann die Serienventilfedern auch noch etwas mehr vorspannten.
Tatsächlich hatte ich auch die 88mm slip-in-Zylinder...
Die 40er Weber hatten einen 28mm Lufttrichter und gingen schön von unten raus, das Getriebe war leider das kurz übersetzte.
Bei meinem Karmann möchte ich nun alles besser machen. Meine Frage hier ins Forum ist eigentlich nur der leise Hilferuf von einem Wiedereinsteiger, der durch das immense Angebot an Möglichkeiten überwältigt ist.
Ich habe übrigens mal Maschinenbau Verbrennungskraftmaschinen und Fahrzeugtechnik studiert und war vor Ewigkeiten auch mal beruflich mit VW-Technik beschäftigt.
Gruß Stefan aus Fürstenwalde

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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Jörn Beutel » Di Okt 22, 2019 7:19 am

Andreas Bergbauer hat geschrieben:
Mo Okt 21, 2019 9:06 am


Mit serienmäßigem Scheibenbremsen-Serienfahrwerk und Pendelachse werden max. 75 PS eingetragen, mehr erlaubt VW nicht.
Wegen der Bremsen nützt hier auch ein Schräglenkerfahrwerk nichts.

...ich kann fast alles unterschreiben was Andreas oben gepostet hat. Allerdings hoffe ich das er sich bei dem "über 100PS" Punkt irrt.

Aber in dem Punkt mit den Scheibenbremsen /Pendelachse nur 75PS eintragen muss ich Widersprechen. DIe serienmäßigen Scheibenbremsen mit Pendelachse werden bis min. 90 PS eingetragen, ich meine sogar sicher bis 100PS und die Pendelachse wird auf 165km/h beschränkt...
Viele Grüße

Jörn

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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Andreas Bergbauer » Di Okt 22, 2019 10:14 am

Hallo Stefan,

ich hatte ja geschrieben "was willst Du hören"...denn man kann Typ1-Tuning auf viele Spielarten betreiben.

Ich kann nur von meiner pragmatischen Art berichten. Ich bin generell ein Feind von BlingBling beim Motortuning. Das ist wie bei High-End im Audiobereich. Kaum ist eine polierte Alufront vorhanden und eine goldene Sicherung eingebaut, klingt der Verstärker besser. Aber das ist ein anderes Thema...

Mein Motor muss mit möglichst wenig Aufwand einigermaßen Leistung bringen (Spaß), wenig verbrauchen (Ökonomie) und haltbar sein.
Dazu habe ich mich über einige Probiererei an ein Konzept herangetastet, das ich jetzt als ausgereift betrachte (dass mit 2x die Nockenwellenlager gestorben sind lag an einem nicht maßhaltigen, neuen Gehäuse...). Dazu gehört, nur Serienteile zu ersetzen, wenn unbedingt nötig. Mit meist über 5000km pro Jahr soll das Teil nicht blinken, sondern jubeln.

Hier kurz meine Eckdaten zum Motor:

Neues Typ1-Gehäuse, für 90,5er K+Z aufgespindelt (1776er Motor)
Serien-Langgewinde-Zylinderköpfe, für 90,5er K+Z aufgespindelt, härtere Einfach-Ventilfedern, sonst unbearbeitet
Geschraubte Kipphebelwellen, Serienübersetzung
90,5er geschmiedete K+Z von AA Performance (Mahle war mir zu teuer)
Engle W110 Nockenwelle mit doppeltem Bundlager verbaut :mrgreen:
Serien-Kurbelwelle, Nachbau von Ahnendorp bezogen, samt neuer, leichter Schwungscheibe, beides zusammen feingewuchtet
Frontölkühler anstelle Serienölkühler, externer Schlauchthermostat, "Hundehütte" zugemacht.
Verstärkte Filterölpumpe
Elektrische Pierburg Benzinpumpe unter dem Tank, mit einstellbarem Druckregler und Sicherheitsrelais
Drehstrom-LiMa
Vergaser 2x Dell'Orto DRLA36, komplett überholt und "Dell'Orto-Drip" beseitigt
Crosbar-Gasgestänge von CSP
009er Zündverteiler mit Ignitor, ZZP 10° vor OT
Originale Stößel (die ach so tollen SCAT-Teile haben nach 3000 km Pitting bekommen...)
Originale Stößelstangen
Originale Heizbirnen mit ultraschwerem Heizkörper, Rohr instandgesetzt
Originaler Auspuff (Leistritz), Edelstahl-Endrohre mit originalem Querschnitt
Verblechung original
Kurbelgehäuseentlüftung per Schlauch nach außen gelegt
....usw

Getriebe ist mit kurzer Achse, aber langem 4. Gang, kommt in der Gesamtübersetzung auf die Serie des Karmanns, aber 1-3 ist kürzer. Würde ich nicht wieder so machen. Der 4. ist zu lang für die Landstraße und auf der BAB fahre ich ja selten Vollgas.

Der Wagen beschleunigt von 0-100 km/h weit unter 10 Sekunden, läuft 190 km /h und wenn man ihn aus Freude am Fahren tritt verbraucht er um die 10 Liter, auf Langstrecke wie heuer in die Toskana und zurück etwa 7,8 Liter. Zündkerzengesicht vollkommen in Ordnung, also nicht zu mager.
Ölverbrauch kaum messbar, wenn man im Drehzahlniveau zrückhaltend bleibt, bei längerer Vollgasgfahrt drückt es das Öl aber an allen Ritzen raus.
Hier ist noch ein Punkt zur Nacharbeit, die Gehäuse Be-und Entlüftung, aber wie gesagt, ich trete ihn ja nicht permanent vollgas mir hoher Drehzahl.

Wenn jetzt noch das leidige Nockenwellenlager-Problem weg bleibt, müsste ich am Ziel sein. Ich brauche weder mehr Hubraum noch mehr Leistung noch mehr Beschleunigung noch mehr Verbrauch...


@Jörn: Ich habe den ursprünglichen Motor 1995 eintragen lassen. Der damalige Prüfer hat mir gesagt, dass bei der Pendelachse bei 156 km/h schluss ist und das ca 75 PS entspräche. Er hat damals aber schon kulanterweise die Diagramme vom Käfer verwendet...mein damaliger Slip-In Motor hat mit der Engle W100 auch nicht mehr Leistung gebracht. Da sich äußerlich nichts geändert hat, habe ich die Eintragung nie ändern lassen. :unbekannt:

Denn ein weiterer Vorteil meines Konzeptes ist, dass man mit 165er Serienreifen und Serienauspuff nie aufgehalten wird. Ich musste beim TÜV bzw. Dekra seit 1995 nur 1x die Motorhaube öffnen. Und das nur, weil der prüfer ein Käfer-Fan war und den Motor sehen wollte. Leider blitzte da kein Chrom. Bei dem blitzen die inneren Werte.
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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Stefan Lenk » So Okt 27, 2019 12:24 pm

Hallo VW-Typ 1-Motor-Tuner und weitere Mitleser,

ich freue mich über Eure Rückmeldungen zu meiner Eingangsfrage. Ich werde wohl aus Kostengründen k e i n neues Motergehäuse erwerben,
werde aber sehr genau die beiden vorhandenen prüfen und auch vermessen, zumindest den Durchmesser der Hauptlageraufnahmen.
Die Gehäuselegierung ist natürlich bei beiden AS41, Herstellungsjahr um 1970 herum und damit in Deutschland gegossen und gefertigt.

Von den mexikanischen Gehäusen mit AS 41 habe ich schon Negatives gelesen. @Andreas: Deine Probleme mit der Verzahnung des Nockenwellenrades im Mexikogehäuse haben mich auch schon stutzig gemacht.
Es wurde in dem Artikel, den ich hier aber leider nur aus dem Gedächtnis wiedergeben kann, auch erläutert, warum damals bei VW von AS21 auf
AS41 gewechselt wurde. Durch die immer mehr gestiegene Motorleistung stieg in gleichem Maße auch die thermische Belastung und die AS21-Legierung zeigte bei Temperaturen oberhalb ca. 135 °C eine Kriechneigung des Magnesiums, wa zu Gehäuseverformungen mit so unangenehmen Folgen wie Ölaustritt führte oder auch ungleiche Belastungen der Haupt- und Nockenwellenlager zur Folge hatte.

Deshalb ist auch unbedingt eine verbesserte Ölkühlung ein Muss, wobei ich vorhabe so wie damals schon, den Serienölkühler zu entfernen und stattdessen das Öltemperaturthermostat von Riechert einzubauen mit zwei richtig stabilen Schraubanschlüssen zu einem großen externen Ölkühler.
Ich hatte auch damals schon, als noch der Serienmotor (1500 ccm, 44 PS, Kennbuchstabe H) installiert war, ein Öltemperaturpeilstab verbaut und die serienmäßige Uhr im Armaturenbrett durch eine Öltemperaturanzeige ersetzt.

Daher weiß ich auch, dass im Spätsommer bei vielleicht 22 °C Lufttemperatur bei Autobahnvollgasfahrt sowohl auf dem Tacho und auch bei der Öltemperaturanzeige 135 stand, egal oben nun mit offenem oder geschlossenem Verdeck! Hier war aber nur der alte Serienölkühler im Einsatz.
Der H-Motor existiert noch und wird auch demnächst wieder eingebaut.
Der von mir geplante Tuningmotor wird mehr als 1641 ccm Hubraum haben, ich bin nur durch die Fülle der Möglichkeiten überfordert und deshalb schrieb ich den Eingangsbeitrag. Ich überlege nämlich, ob ich n u r die Bohrung größer wähle oder n u r den Hub durch Einbau einer Spezialkurbelwelle oder ob ich sogar b e i d e s machen sollte. Das Gehäuse muss sowieso bearbeitet werden; durch spezielle ZUSATZ-Verschraubungen mit Passschrauben kann es etwas versteift werden.
Die nächste Frage wäre dann natürlich die Getriebeübersetzung, die ich auch demnächst genau bestimmen werde. Bis jetzt habe ich noch nicht mal nachgesehen, welchen Getriebekennbuchstaben ich habe. Ich weiß nur, dass ich die Pendelachse drin habe.
Falls ich das Getriebe erst einmal lasse, wäre vielleicht sogar ein Motor sinnvoller, der eher bis 5000 1/min sauber dreht, was dann wieder eine Entdrosselung durch die 40er Weber und durch die Schleicher Sportnockenwelle notwendig macht.

Ich danke Euch jedenfalls fürs interessierte Mitlesen und ich würde mich sehr freuen, über Eure persönlichen Erfahrungen mit Euren Motorumbauten.

Stefan Lenk aus der kleinen Domstadt Fürstenwalde

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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Andreas Bergbauer » So Okt 27, 2019 4:15 pm

Es ist ein neues AS41 Brasilien-Gehäuse, nicht Mexico.
Trotz dem Ärger würde ich es jederzeit wieder so machen.
Ich habe halt Pech gehabt, es ist ja nicht jedes dieser Gehäuse schlecht.
Das wäre inzwischen bekannt geworden. :nighty:
Ein schlachtes Altgehäuse zu verwenden ist von Risiko nach meiner Einschätzung höher.
Kein Problem, wenn es original bleibt, aber die Nachbearbeitungen kosten, dann schon lieber neu.

Wer bei einem Motor 1000€ spart, um ein zwar maßhaltiges, aber weiches und ausgeleiertes Gehäuse unbekannter Laufleistung zu verwenden, spart am falschen Ende. Beim Hausbau habe ich mich auch für den doppelt so teuren, dampfdichten Keller entschieden, zahle heute einen Hunderter mehr Rate deswegen und bereue es nicht, der Keller ist absolut wohnzimmertrocken.

Ich lerne aus meinen Fehlern (altes "gutes deutsches" AS41 Gehäuse und "gute deutsche Schmiedekurbelwelle" verwendet, nie öldicht, am Ende Ölkanal geplatzt und kompletter Lagerblock wegen der ach so tollen, aber unwuchtigen Kurbelwelle eingerissen) .
Genau das über Jahre erarbeitete Motorenkonzept habe ich vorgestellt.
Es ist nach meiner Erfahrung aber oft so, dass in Foren Fragen gestellt werden, um das bereits geplante Vorgehen bestätigt zu bekommen und wenn es dann anders kommt, macht man ja trotzdem so weiter wie geplant.
So in etwa schätze ich Dein Vorgehen ein, es kommen ja auch kaum Rückmeldungen, was nun passieren wird.
Das blechmäßig verhunzte (sorry musste sein, denn das ist es realistisch gesehen) Cabrio scheint jetzt auch doch nicht richtig (frame off, unternrum komplett erneuern) gemacht zu werden, oder?
Dann lieber H-Motor und gutes Blech und erst dann nach was Getuntem weitersehen.

Wenn ich Dir jetzt sage, Du sollst eine 69mm Hub KW samt Schwung feingewuchtet von Ahnendorp kaufen, ein neues Kurbelgehäuse, 90,5er K+Z und Originale, unbearbeitete Langgewundeköpfe, dann kaufst Du garantiert eine KW mit mehr Hub, lässt ein altes Gehäuse anpassen, gehst gleich auf 2,2 Liter Hubraum und verbaust Köpfe mit riesigen Ventilen, damit man 48er Weber draufschrauben kann und die vorhandene scharfe Nocke eingebaut werden kann.

Darum meine eingangs gestellte Frage "Was willst Du hören"....

Jedenfalls sind die meisten "Aktiven" hier original unterewgs, außer von Jörn, evtl. Wolf und mir wirst Du hier kaum weitere Ratschläge bekommen.
Ich habe alles gesagt, was ich von meiner Warte aus weiß.
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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Markus Luidl » So Okt 27, 2019 5:20 pm

Hallo,

auch ich versuche mich derzeit an einem dezenten Tuning. Hab dafür für kleines Geld einen AR Motor gekauft, der schon ein bisschen verbastelt war. Sollte eigentlich nur ein schlampiger Spass-Motor werden. Hab dann aber die Richtung geändert.

Folglich würde ich das aber auch nicht mehr so machen. Lieber ein paar Monate länger sparen und ein neues Gehäuse holen.
Da das Gehäuse schon gefräst ist, probier ich es jetzt mal.
Allerdings werde ich wohl auch leistungsmäßig etwas dezenter anfangen. Ich strebe so 50 bis 55kW an.

Der Motor ist auch nicht für meinen Typ 14.
Der ist mit der schmalen Hinterachse , den Trommelbremsen und der alten Bundbolzen-Vorderachse mit 25kW schon übermotorisiert. (Ab 80 wird es unsympatisch, 100 gehen bequem nur auf einem Anhänger hinterm BMW.)
Der Motor wird für einen Käfer 1302 der ja bekanntlich schon ein vergleichbar modernes Fahrwerk hat.

Aufgehorcht hab ich bei den Erfahrungen zu den Scat Stösseln. Ich dachte immer mit einer Scharfen Nocke (bei mir wird es auch eine Engle W110) wären Scat oder Engle Stössel ein Muss. Wenn da aber orig. genauso geht spar ich mir die Kohle.
Kann ich da auch die alten wieder hernehmen, oder sollen es neue originale sein.

Welche geschraubten Kipphebel sind denn empfehlenswert und wie groß muss die Blowby Box werden.

Ich liebäugle (für eine Ausbaustufe 2) mit den neuen Empi HPMX Vergasern. TÜV und H wird da evtl schwierig aber die wären halt preislich recht attraktiv. Vor allem wenn man sie in den USA kaufen kann.

Gruß

Markus
Typ 14 Cabrio, Baujahr / Modelljahr 1964

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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Stefan Lenk » So Okt 27, 2019 5:53 pm

Hallo Karmannfans,

tatsächlich bin ich momentan dabei, erst einmal meinen Original-H-Motor wieder einzubauen; allein schon um ohne Probleme ein H-Kennzeichen zu bekommen. Der leistungsgesteigerte Motor hat keine Eile. Der Hinweis von Andreas mit dem Feinwuchten der Originalwelle ist völlig richtig.
Eigentlich ist es fast schon fahrlässig die Serienkurbelwelle, die ja bekanntlich k e i n e Gegengewichte an den Kurbelwangen hat, mit Drehzahlen deutlich über 4000 1/min über längere Zeit zu fordern.

Der Hinweis von Andreas auf meine sogenannte verfuschte Karosserie ist schon richtig, aber immerhin bin ich in den 80ern damit schon jahrelang herumgefahren und habe auch immer ohne größere Probleme TÜV bekommen. Damals war die Ersatzteilsituation ganz anders und als Student waren meine finanziellen Möglichkeiten auch eher eingeschränkt.
Deswegen will ich auch noch mal ran aber ich will auch keine Baustelle, die dann jahrelang zwei Stellplätze blockiert und am Ende nur nervt.

Erstmal soll mein Karmann wieder fahrfähig werden, dann kommt auch die Motivation, richtig loszulegen.

Ich danke erst einmal allen für Ihre Meinungen zum Thema Motorumbau und hoffe weiterhin auf regen Austausch.
Wenn dann das Thema Karosserie bei mir losgeht, werde ich sicher erneut Fragen haben.

Einen schönen Restsonntag wünscht Euch

Stefan Lenk

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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Jörn Beutel » So Okt 27, 2019 6:04 pm

Markus,

bzgl. der Stößel habe ich die verbauen lassen: Stößel Typ 1 / gehärtet f. Sport-Nockenw.
Mahle-Wizemann (8 Stk. vor 4 Jahren ~130€)
Kipphebel Typ 1 kpl. mit verschraubter Welle /regeneriert (GWD) mit Mercedes Kugelkopf Einstellschrauben und orig. VW Kontermuttern (~270€)

Von den Vergaserplänen würde ich Abstand nehmen aus einem ganz einfachen Grund: Für Weber findest Du einige Experten, die die abstimmen und einstellen können (und die entsprechenden Bedüsungssätze vorrätig haben), für Dellorto weniger als eine Handvoll und für EMP - in USA, aber hier???

Stefan: Andreas hat alles gesagt.
Viele Grüße

Jörn

Andreas Bergbauer
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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Andreas Bergbauer » So Okt 27, 2019 7:40 pm

Stefan Lenk hat geschrieben:
So Okt 27, 2019 5:53 pm
Erstmal soll mein Karmann wieder fahrfähig werden, dann kommt auch die Motivation, richtig loszulegen.
Ich habe ja auch eine "rollende Restaurierung", und zwar ab Tag 1 nach der Frame-Off Vollrestaurierung 1991-1993.
Das mit dem Fahrenwollen verstehe ich deshalb durchaus. Aber mein Karmann hat auch nie Überzugsschweller und doppelt überschweißte Radläufe gehabt. Wenn er gerostet hat und rostet, dann sofort sichtbar. Hier ist es aus meiner Sicht einfach Zeitverschwendung, alles doppelt machen zu müssen. Aber es macht eben jeder, wie er will.

Für mich war die Motivation schon alleine die Karosserieform.

Der RO80 motiviert mich jedes mal, wenn ich ihn von der Abdeckplane befreie. Ich möchte sofort loslegen....
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Re: Typ 1 Motor mit mehr Hubraum aufbauen. Erfahrungen?

Beitrag von Wolf Kurz » Mo Okt 28, 2019 9:43 am

Andreas kann ich in seinen Ausführungen bezüglich Motorgehäuse ( hab auch ein neues brasilianisches mit langem Kerzengewinde, ohne die oben beschriebenen Probleme) und dem Feinwuchten nur zustimmen. Ich bin mit ein paar PS mehr und größerem Hubraum als Andreas mit Weber Doppelvergaser unterwegs und habe inzwischen 30000 km ohne Probleme hinter mich gebracht. Der Motor ist sehr penibel aufgebaut und es hat sich gelohnt. Die Webervergaser wurden auf dem Prüfstand auf den Motor abgestimmt. Kostet ein paar Euro, lohnt sich aber.
Ende gut, alles gut und wenn es noch nicht gut ist, ist es auch noch nicht zu Ende.
(Frei nach William Shakespeare)

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