Motor überholen

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Philipp Reuter
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Motor überholen

Beitrag von Philipp Reuter »

Guten Morgen zusammen

Am Wochenende bei der wahrscheinlich letzten Ausfahrt vor der Winterpause hab ich nach dem Kaltstart hinten gesehen, dass mein Karmann ordentlich Öl auf der Oberseite des Motorblocks unter dem Gebläsekasten herausdrückt.

Wie bei vielen Gebrauchtkäufen weiss auch ich nicht den tatsächlichen Kilometerstand vom Motor. Kompression ist auf allen Zylindern etwa 6.5 bar. Ich hab trotzdem das Gefühl, dass er keine 40 PS mehr bringt obwohl Vergaser überholt, Zündung komplett neu und Ventilspiel ok sind.

Da er hier und da etwas feucht ist und auch die Kupplung nicht mehr der Brüller ist, überlege ich, den Motor im Winter herausnehmen und einmal rundumerneuern.

Als gelernter KFZ- Mechaniker und Tätigkeit in einem Motorenentwicklungszentrum traue ich mir durchaus das Überholen zu, auch wenn ich mit dem Motor noch keinerlei Erfahrung hab.

Wie handhabt ihr so einen Fall mit schwindender Leistung und Inkontinenz? Macht es Sinn den Motor einmal komplett zerlegen bis auf die letzte Schraube oder nur die Köpfe runter und einen kurzen Check machen?

Alternativ hab ich noch einen 2. Motor da, von dem ich aber keine Zustandsinfo hab, ausser dass er dreht und kein Loch im Block hat :)

Danke und Gruss Philipp

Andreas Bergbauer
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Re: Motor überholen

Beitrag von Andreas Bergbauer »

Du hast kein Loch im Block, sondern einen undichten Ölkühler/Flansch im Gebläsekasten. Das ist nichts Schlimmes.
Kann von einem klemmenden Öldruck-Regelkolben kommen, dann bekommt der Ölkühler den vollen Druck des kalten Öls ab.

Minmal musst Du also den Öldruckregelkolben (F-Motor müsste nur einen haben) auf Gängigkeit prüfen, den Gebläseklasten abmachen und den Ölkühler und dessen Dichtungen prüfen.

Wenn Du aber den Motor trotzdem komplett machen willst, dann mach ihn 100% komplett.
Der Käfer hat keinen Ölfilter, deswegen sind die Lager, gerade bei unbekannter Vorgeschichte, eh alle zu prüfen.
Ich verstehe sowieso nie, warum viele hier sich die Arbeit machen, den Motor auszubauen, zu strippen, Zylinderköpfe abmachen, Kolben und Zylinder tauschen, alle Bleche neu lackieren usw, aber den Block ungeöffnet zu lassen. Das macht doch wirklich das Kraut nicht mehr fett. Und wenn es nur dazu dient, für 80 EUR neue Lager zu verbauen. Den Dichtsatz hat man sowieso schon gekauft.
Die einzige Herausforderung ist das Aufmachen und wieder zumachen der Schraube der Schwungscheibe, aber mit einem 1000Nm Schlagschrauber geht das in 2 Sekunden, musste ich feststellen... :mrgreen:
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Philipp Reuter
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Re: Motor überholen

Beitrag von Philipp Reuter »

Hallo Andreas

danke für die rasche Antwort und den Zusatz, dass ich einen "F" Motor hab :)

Das Drehmoment ist kein Problem, ich hab gefühlt alle Werkzeuge auf Arbeit die es gibt.

Welche Unterlagen sind zu empfehlen bezüglich Masse und Hilfestellungen? Reicht ein "wie helfe ich mir selbst"?

Andreas Bergbauer
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Re: Motor überholen

Beitrag von Andreas Bergbauer »

Philipp Reuter hat geschrieben:
Mi Okt 30, 2019 11:39 am

...
danke für die rasche Antwort und den Zusatz, dass ich einen "F" Motor hab :)

...

Welche Unterlagen sind zu empfehlen bezüglich Masse und Hilfestellungen? Reicht ein "wie helfe ich mir selbst"?
Sofern es ein echter 40 PS-Motor ist, dann ist es ein "F". Nur ein Jahr im Karmann verbaut.

An Unterlagen hatte ich früher wirklich nur ein "Jetzt helfe ich mir selbst", hat gereicht.
"Richtige" Anleitungen von VW gibt es kostenlos als PDF zum Download bei Volkswagen Classic Parts.
Die müssen aber mit Augenmaß betrachtet werden. Keiner richtet heute noch ein Pleuel aus und ohne Spezialwerkzeuge scheint man laut diesen Anleitungen ja gar nicht klarzukommen... :unbekannt:
Wirklich brauchen tut man den Arretierer für die Schwungscheibe, das Einpresswerkzeug für den Dichtring an der Schwungscheibe und einen Abzieher für die Keilriemenscheibe, evtl. Auszieher für die Öldruckkolben.
Nicht schlecht ist noch das einfache Werkzeug von CSP zum Einstellen des Kurbelwellen-Axialspiels mittels Fühlblattlehre. Eine Messuhr tut es natürlich auch...
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Philipp Reuter
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Re: Motor überholen

Beitrag von Philipp Reuter »

Dann werd ich das Projekt so angehen in den kommenden Wochen

Danke!

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Hans Weberhofer
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Re: Motor überholen

Beitrag von Hans Weberhofer »

Servus, bezüglich Auszieher für die Öldruckkolben
falls du es nur einmal braust bekommst du den Öldruck-Regelkolben auch mit einem 10er Rundholz geschlitzt wie ein Hammerstiel und Keil raus.
Reinklopfen - das spreizt sich dann und du kannst den Kolben rausziehen.
Ab BJ 70 haben die F-Motoren 2 Öldruck-Regelkolben, ich weiß aber nicht wann die F-Motoren beim Karmann verbaut wurden :oops:

Gruß
Hans
der ein 69er Cabrio hat
http://members.aon.at/weberhofer/KG_For ... /Forum.jpg

und der Sommerhit von damals - Sir Douglas Quintet mit Mendocino!

http://www.youtube.com/watch?v=nFbI8uVUFP4

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Philipp Reuter
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Re: Motor überholen

Beitrag von Philipp Reuter »

Hallo Hans und danke für die wertvolle Zusatzinfo

Meiner ist Baujahr 66, verbaut wurde der "F" nur 1 Jahr lang im KG :)

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Markus Luidl
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Re: Motor überholen

Beitrag von Markus Luidl »

Hallo,

ich kann dir nur dazu raten die Reparatur des Motors selbst zu probieren.

Zum Ziehen des Ölregelkolbens geht auch ein Messingspreizdübel. Ich glaube das ist en M8 mit 10 mm Aussendurchmesser und eine lange Schraube oder ein Stück Gewindestange.

Um die Schraube vom Ölregelkolben aufzumachen braucht man einen großen Schraubendreher. Ich hab dafür von Hazet eine ½“ Nuss 980-3X19.

Neben normalem Werkzeug, einem guten Drehmomentschlüssel und den schon genannten Teilen (Abzieher Riemenscheibe und Werkzeug zum Einstellen des Axialspieles der Kurbelwelle) empfehle ich Klammern für die Stössel, die Scheibe von CSP zum eindrücken des Wellendichtrings auf der Abtriebsseite, evtl. das Werkzeug zum Ziehen der Ölpumpe und diesen Plastikbolzen um die Kupplungsscheibe zu zentrieren.
Evtl. noch einen Halter für den Motor.
Vielleicht kennst du ja jemanden, der dir sowas in deiner Umgebung leihen kann. Lohnt ja nicht das alles zu kaufen, wenn man nur einen Motor machen wird.

Bzgl Literatur: Evtl. hilft das hier weiter: Link

Gruß

Markus
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Markus Luidl
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Re: Motor überholen

Beitrag von Markus Luidl »

Eines hatte ich noch vergessen.
Orig Karmann F-Motoren haben sicher nur einen Ölregelkolben. Ich glaube sogar beim 1500er H wurde noch eine ganze Weile nur ein Ölregelkolben verbaut.
Ich würde da mal nachsehen ob evtl. so ein Pilzförmiger Kolben verbaut wurde. Die sind bekannt dafür gerne mal Probleme zu machen.

Gruß

Markus
Typ 14 Cabrio, Baujahr / Modelljahr 1964

Andreas Bergbauer
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Re: Motor überholen

Beitrag von Andreas Bergbauer »

Markus Luidl hat geschrieben:
Fr Nov 01, 2019 11:15 pm


Um die Schraube vom Ölregelkolben aufzumachen braucht man einen großen Schraubendreher. Ich hab dafür von Hazet eine ½“ Nuss 980-3X19.

Neben normalem Werkzeug, einem guten Drehmomentschlüssel und den schon genannten Teilen (Abzieher Riemenscheibe und Werkzeug zum Einstellen des Axialspieles der Kurbelwelle) empfehle ich Klammern für die Stössel, die Scheibe von CSP zum eindrücken des Wellendichtrings auf der Abtriebsseite, evtl. das Werkzeug zum Ziehen der Ölpumpe und diesen Plastikbolzen um die Kupplungsscheibe zu zentrieren.
Evtl. noch einen Halter für den Motor.
Also mir sind die Stößel noch nie rausgefallen, wenn man die eine Gehäusehälfte kippt, sodass sie mit den Stehbolzen am Tisch ansteht, fällt die KW und Nocke nicht heraus und am aufzusetzenden Gegenstück die Stößel auch nicht.
Ich hatte zum Glück noch keine Klemmende Ölpumpe, kann also das mit dem Auszieher nicht beurteilen.
Die Kupplung zentriere ich immer nach Sicht durch das Loch für die Getriebewelle, das genügt.
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Markus Luidl
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Re: Motor überholen

Beitrag von Markus Luidl »

Hi Andreas,

deswegen steht da ja ach „empfehle ich“ und nicht „muss man unbedingt haben“.

Gruß

Markus
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Philipp Reuter
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Re: Motor überholen

Beitrag von Philipp Reuter »

Hab gestern mal den "Ersatzmotor" ausgegraben, optisch sieht er aus, als hätte er eine Million Kilometer auf der Uhr und lässt sich nicht komplett durchdrehen.

Ich werd ihn am Wochenende mal öffnen und schauen, ob noch etwas zu retten ist. Falls ja wird das mein Übungsmotor, da ich demnächst noch einen 1300er Käfer in Angriff nehme, hätte ich auch Verwendung für diesen.

Infos mit Bildern folgen dann

Andreas Bergbauer
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Re: Motor überholen

Beitrag von Andreas Bergbauer »

Philipp Reuter hat geschrieben:
Fr Nov 08, 2019 8:56 am
Hab gestern mal den "Ersatzmotor" ausgegraben, optisch sieht er aus, als hätte er eine Million Kilometer auf der Uhr und lässt sich nicht komplett durchdrehen.
Da ist wohl ein Ventil festgegangen und jetzt steht der Kolben an. So weit ich weiß, ist nicht jeder Käfermotor ein Freiläufer.

Viel Glück!
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Re: Motor überholen

Beitrag von Philipp Reuter »

So ich bin mal etwas vorangekommen, der Tag müsste 30h haben :(

Eine Frage zum Zusammenbau der Komponenten:

Ich hab einen Motor für 6 Volt im Karmann und möchte den "neuen" auch auf 6 Volt bauen. Leider ist es eine 12 V Version. Vergaser hab ich schon überholt und auf 6 Volt umgebaut.

Wie sieht es mit dem Schwungrad aus? Gibt es nur ein 6 Volt Schwungrad mit 109 Zähnen und 200mm Durchmesser? Oder gab es da noch Unterschiede? Würde sonst eines aus der Bucht kaufen, dann bleibt der originale Motor Hardwareseitig komplett und ich kann ihn komplett einbaufertig machen.


Laut meinen Recherchen sollte der Rest des Motors 12V/6V keinen Unterschied machen oder hab ich was vergessen?

Gruss Philipp

Stefan Neugebauer
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Re: Motor überholen

Beitrag von Stefan Neugebauer »

Andreas Bergbauer hat geschrieben:
Mi Okt 30, 2019 10:11 am

Die einzige Herausforderung ist das Aufmachen und wieder zumachen der Schraube der Schwungscheibe, aber mit einem 1000Nm Schlagschrauber geht das in 2 Sekunden, musste ich feststellen... :mrgreen:
@andreas Aber Du meinst nicht die Schwungradschraube 36er SW, oder?
Die ist doch ein Klacks. Wir hatten uns schon vor 20 Jahren einen gekröpften 36er mit 1m Verlägerung von Hazet zugelegt. Geht wunderbar.

Stefan

Edit: Ventil festgegangen? Ist das so fest, dass der Kolben es nicht zurückdrücken kann??

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