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1998 Deutschland & Italien

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Sag' mal, warst Du das letzte Woche in Genua?

Mit den Worten "Sag' mal, warst Du das letzte Woche in Genua?" kamen zwei Jungen auf dem Autobahnhof Seesen (im Harz) auf mich zu - meine Antwort war ein sattes "Ja!".

Ich hatte 3 Wochen Urlaub - meinen ersten langen Urlaub, seit dem ich meinen Karmann-Ghia habe. Und in diesen Urlaub wollte ich natürlich ausgiebig damit fahren. Es wurden dann doch einige schöne Kilometer mehr als ich mir erträumt hatte: über 10.000km.

Ich wollte die erste Woche in Deutschland der Sonne hinterher fahren, dann mit meiner Lebensgefährtin und zusammen mit Bernd Schneller und seinem Karmann-Ghia nach Italien reisen. Abschließend war noch das Karmann-Ghia Treffen in Karlsruhe-Knielingen geplant.

Mein Karmann hat die Reise gut überstanden. Durchschnittsverbrauch lag bei 8l Benzin auf 100km und weniger als 1/2l Öl auf 1000km.

Rothenburg ob der Tauber

Von Berlin aus ging es dem schönem Wetter entgegen Richtung Süden. Erster sehenswerter Stop war Rothenburg ob der Tauber. Nett, aber nicht so beeindruckend wie Carcassonne in Südfrankreich.

Von dort aus ging es weiter über Landstraßen nach Ulm. Nach einem kleinem Stadtbummel ging es weiter bis Bad Waldsee zum Eis-Essen. Außerdem bekam ich dort auf einem kaum gefülltem Parkplatz einen Strafzettel, weil ich keine Parkscheibe ins Fenster gelegt hatte, soetwas aber auch...

Hagnau, Bodensee

Am Bodensee war schönstes Sommerwetter. In Hagnau habe ich dann auch ein Zimmer mit Seeblick gefunden. Den nächsten Tag ließ ich im Strandbad in Bodman beginnen. Ahh, endlich Sonne!

Leider war für den nächsten Tag die Wettervorhersage nicht mehr so rosig, sodaß die Reise weiter ging...

Freiburg

Mein erster Stadtbummel in Freiburg - witzig diese Wasserrinnen!

Irgendwie habe ich mich nach Freiburg etwas verfahren: ich wollte nach Norden und war irgendwann bei Lörrach. Ohje, meine Geographie-Kenntnisse...

Baden-Baden

Am Abend hatte ich den Weg nach Norden und Baden-Baden doch noch gefunden. Die Innenstadt sieht toll aus - aber auch nach viel Geld!

Viele alte Häuser in Berlin sehen zwar ähnlich aus, aber sie haben selten den 2. Weltkrieg so unbeschadet überstanden.

Heidelberg

Den nächsten Morgen verbrachte ich in der Altstadt von Heidelberg - auch eine sehr schöne Stadt. So ab 11:00Uhr füllte sich die Stadt mit immer mehr Touristen und Photoapperaten. Also weiter...

Zunächst bin ich dann die kleinen Landstraßen im Odenwald gefahren. Aber der Nieselregen trieb mich wieder auf große Straßen und zur Suche nach Sonnenstrahlen. Bei Koblenz trieb es mich dann Richtung Nürburg-Ring, aber bei den vielen Ferraris habe ich mich dann doch nicht getraut.

Neuharlingersiel, Nordsee

Auf der Suche nach Sonne trieb es mich weiter Richtung Norden. An Bonn, Köln und Münster vorbei verbrachte ich eine Nacht in Telgte. Am nächsten Morgen ging es nach Ibbenbühren, aber das dortige Oldtimermuseum gibt es leider nicht mehr.

Nach einem Einkaufsbummel in Osnabrück stand ich auch vor den heiligen Werkshallen der Firma Karmann. Werksführungen waren leider nur morgens.

Also weiter Richtung Nordsee. In Neuharlingersiel war ich endlich am Meer - nur leider gab es hier auch kein schönes Wetter. Also ging es am nächsten Tag lieber weiter nach Hessen zu den Eltern bei Bad Hersfeld.

Strasbourg, Frankreich

Anfang der zweiten Woche ging es dann samt Lebensgefährtin auf zur großen Tour Richtung Italien.

Da wir bis zum Treffen mit Bernd Schneller noch Zeit hatten, konnte ich Ihr nochmal Baden-Baden zeigen und wir fuhren am Rhein entlang zu einem Stadtbummel nach Strasbourg.

In Winnenden bei Stuttgart trafen wir dann Bernd.

Am nächsten Tag ging es nun mit zwei Karmann-Ghias über Singen in die Schweiz.

Das Wetter war zwar durchwachsen, aber wir entschlossen uns nicht für die einfache Route mit Tunneln zu nehmen, sondern frohen Mutes über die Alpen zu fahren.

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Grimsel-Paß, Alpen

Nach einem abenteuerlichen Fahrt hoch zum Grimsel-Paß (2165m, 11% Steigung) erwartete und leichter Hagelregen. Bei einer großen Tasse Kaffee konnten wir uns aufwärmen und erholen, denn der Simplon-Paß (2005m, 9% Steigung) stand uns für diesen Tag ja auch noch bevor.

Aber soweit gab es keine Probleme - eine schöne und wahrhaft imposante Fahrtroute. Natürlich sollte der Fahrer Spaß am Fahren haben und nicht zu schaltfaul sein! Der Beifahrer sollte dabei nicht zu ängstlich sein und genug Vertrauen in den Fahrer haben, wenn er mal eben 500m Steilhang neben sich sieht.

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Es machte mir richtig Spaß immer einen schönen Karmann vor mir oder im Rückspiegel zu sehen und dabei selber in einem zu sitzen. Schön!

Hinter den Alpen erwartete uns auch zunehmend die Mittelmeersonne - endlich raus aus dem deutschem Schmuddelwetter!

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Natürlich mußte wir an der erste Palme in Italien halten und diesen Augenblick auch festhalten.

Wir waren natürlich auch erstmal erleichtert, diesen nicht einfachen Streckenabschnitt unbeschadet überstanden zu haben.

Jetzt hieß es langsam ein Hotel für die erste Nacht in Italien zu suchen...

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Lago Maggiore

Bei der Suche nach einem Bancomat habe ich mir dann in Verbania meine erste kleine Schramme am Schweller eingehandelt - naja, kaum zu sehen, aber ärgerlich war ich schon.

Irgendwie sind wir auf der Suche nach einem Hotel immer wieder in unangekündigten Sackgassen gelandet. Oft sah es erst nach einer Hauptstraße aus, dann wurde es enger und enger und plötzlich stand man vor einem Gartentor. An soetwas muß man sich als schilderverwöhnter, deutscher Autofahrer erst mal gewöhnen...

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Aber wir fanden dann noch ein Hotel in Mergozzo. Sehr zuvorkommend machte man unseren beiden Oldies Plätze vor dem Hotel frei. Und der Blick aus dem Fenster entschädigte uns für die Strapazen des Tages.

Auf der Suche nach einem Restaurant mußten wir feststellen, daß in Italien um 11:00 Uhr schon so manche Küche kalt ist. In einem gab es nur noch Pizza. Die Wörter des Tages waren dann "senza formaggio" - denn ich mag keinen Käse!

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Nach erstem Stottern in einem Mix aus Italienisch, Englisch und Deutsch hatten wir am nächsten Morgen auch die Hotelrechnung zahlen können.

Bei schönstem Wetter, erster vorsichtiger Sommerkleidung oder offenem Cabriolet-Verdeck konnten wir vom Lago Maggiore aufbrechen. Als Tagesziel war Turin geplant - aber immer schön langsam und gemütlich auf Landstraßen...

In Orta San Giuliu entdeckten wir dieses hübsche Hotel - zunächst hielten wir es für ein Schloß oder eine Kirche.

Leider holt sich Bernd hier seine erste Urlaubsschramme beim Rückwärtsfahren zum Phototermin. Durch die Verdeckwulst sah er den Brunnen nicht. Ärgerlich...

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Die Fahrt am Rande der Alpen im schönsten italienischen Sonnenschein war wie Balsam auf der regendurchnäßten, deutschen Seele. Die Wochen zuvor konnte man in Deutschland kaum Sommer nennen.

Wir fuhren über Borgomanero, Gattinara und Biella weiter Richtung Turin...

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Aus Südfrankreich war ich gewohnt, daß man einige Cafés irgendwo im Ortszentrum oder am Rande eines Platzes findet. In Italien hab ich dergleichen nicht so oft angetroffen.

Eigentlich war ich schon einige Kilometer auf der Suche nach einem schönem Platz mit einem Café. Meist gab es nur kleine Bars, die aber keine Möglichkeit boten draußen zu sitzen. Erst nach einer knappen Stunde Fahrt fand ich ein kleines Café am Rand der Straße.

Ivrea

Kurz vor Ivrea in Bollendo lief Bernds Motor nicht mehr rund. Wie machten halt und er versuchte sich am Zündverteiler und Zündkerzen - aber es wurde eher schlechter als besser.

Aus eigener Kraft schaffte Bernds Karmann es zwar noch bis zur nächsten Werkstatt, aber die erste Diagnose war ernüchternd: "Zero Compressione" auf einem Zylinder!

Offensichtlich hatte der Motor die Alpenüberquerung doch nicht so unbeschadet überstanden.

Nach einem Tag warten in dem nicht sonderlich interessanten Ivrea und der endgültigen Diagnose fuhren weiter - mit nur noch einem Karmann.

Bernd wollte mit einem Mietwagen folgen, da man ihm versprach in einer Woche den Motor repariert zu haben. Wie sich rausstellen sollte wurde daraus bedauerlicherweise nichts - sehr, sehr ärgerlich für Bernd. Denn er mußte dann nochmal nach Italien fahren mit einem kompletten Motor im Gepäck.

Wahrscheinlich hätte man bei einer nicht-VW-Werkstatt mehr Glück gehabt.

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Genova (Genua)

Wir waren alleine schon über Alessandria Richtung Genova weiter gefahren.

Vor Genova sind wir dann leider in einen Mega-Stau im Autobahn-Tunnel geraten - ein LKW war umgekippt und das Chaos perfekt. Nach 3 Stunden Tunnelstau und kurzem Eisessen in der Stadt hieß es nix wie raus aus der Stadt.

Am nächsten Tag können wir auch mal die Füße ins Meer halten, wenn auch nicht bei Sonnenschein.

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Vor Levanto hatten wir unseren Spaß mit einer kleinen Küstenstraße, die mit vielen unbeleuchteten, einspurigen Tunneln versehen war.

Mit Bernd hatten wir Levanto als Treffpunkt ausgemacht.

Nach dem Zusammentreffen mit Bernd und seinem Mietwagen ging es wieder auf kleinen Straßen auf und ab an den Bergen der Küste.

Immer wieder hatten wir dabei einen atemberaubenden Blick auf die Küste.

Über La Spezia kamen wir dann nach Marina di Carrara, wo wir uns einen Tag am Strand Erholung gönnten.

Etwas erstaunt hatte uns die Tatsache, daß ab ca. 20:00Uhr abends die Hölle auf den Straßen los war als ob ganz Italien plötzlich auf Achse war.

Am nächsten Tag sollte es weiter gehen Richtung Pisa.

Als ich diese hübschen Palmen an der Küstenstraße sah konnte ich nicht Widerstehen: Stop - Phototermin!

Wer hat hier in Deutschland schon ein Bild seines Karmann-Ghias unter Palmen!?

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Pisa

Von weitem konnte man schon den Dom und den schiefen Turm von Pisa sehen. So klein hatte ich mir Pisa eigentlich gar nicht vorgestellt.

Aber jetzt habe auch ich ihn gesehen - jetzt darf er auch ruhig umfallen...

Natürlich wollte ich unbedingt ein Bild mit meinem Karmann und dem Turm - naja, sehr viel Zeit konnte ich mir dafür auch nicht nehmen. Aber immerhin, man kann ihn noch erkennen.

Mal sehen an welchem Winterabend ich die anderen häßlichen Autos rausretuschiere...

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Hier hatten wir keine Probleme Restaurants und Cafés zu finden - die Innenstadt ist eben auf uns armseligen Touristen bestens vorbereitet. Natürlich gibt es auch hier "original" Rolex Uhren für 10.000 Lire...

Von Pisa ging es weiter Richtung Landesmitte mit Ziel Adria.

Kurz vor Firenze (Florenz) machten wir auf einem Hügel in San Miniato eine Rast. Von dort hatten wir einen herrlichen Blick über die Ebene.

Der Ort selbst bot so manches altes, interessantes Gemäuer.

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Um zur Adria zu kommen mußten wir über den Passo di Muraglione (knapp 1000m) um den Bergkam der Alpe di San Bennedetto zu überqueren.

Natürlich war das nach den Alpen fast Flachland, aber trotzdem bot diese Straße eine Menge Fahrspaß, von dem auch die vielen Motorräder auf dem Paß zeugten.

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Adria

An der Adria verschlug und der Zufall nach Milano Marittima. Dort fanden wir zu unserem Erstaunen auch auf Anhieb ein hübsches Hotel direkt am Strand und Zimmern mit Meeresblick.

Das Wetter war schön und wir erholten uns einige Tage. Ich Bleichgesicht ohne Sonnenschutz habe mir natürlich gleich einen guten Sonnenbrand geholt - bereut habe ich es aber nicht.

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Lago di Garda

Als das Wetter wieder etwas schlechter wurde und die Zeit so langsam zum Aufbruch Richtung Heimat drängte, fuhren wir auf der Autobahn über Bologna und Modena Richtung Lago di Garda (Garda-See).

Nachdem wir so schnell schon an Mantova vorbei waren, wichen wir wieder auf gemütlich Landstraßen aus.

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In Peschiera di Garda am Südende des Sees machten wir dann Rast. Bei einem gemütlichem Picknick am Garda-See konnten wir Segelschulen, Motorbooten und Fischen zusehen.

Dabei faßten wir den Entschluß den See mal eben zu umrunden.

Ich hatte nicht erwartet, daß die Umrundung doch so lange dauern würde.

Einer der kleineren Orte an der Nord-West-Seite des Lago di Garda ist Brenzone. Dort machten wir dann eine kleines Kaffeepäuschen.

Gut erholt ging es dann auf der Westseite des Sees durch viele, viele Tunnel...

Lago d Iseo

Am Abend fanden wir wieder ein hübsches Hotel mit Seeblick am Lago d Iseo.

Dies war der letzte Abend zusammen mit Bernd in Italien, denn er wollte am nächsten Morgen sehr früh zurück zu seinem Karmann-Ghia nach Ivrea.

Telephonisch hatte er aber schon erfahren, daß sein Karmann nicht fertig war.

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Wir hatten unterdessen am nächsten Morgen ein schönes Frühstück direkt am See - die Enten freuten sich über die Reste unser Brötchen.

Wir hatten zwar eigentlich noch Zeit, aber sicherheitshalber wollte ich lieber langsam auch wieder die Heimreise antreten (der Schrecken mit Bernds Karmann hatte auch bei mir Spuren hinterlassen).

Damit ist dies unser letztes Bild aus Italien für diesen Sommer.

Leider erwartete uns hinter den Alpen wieder nur noch Regen, sodaß ich bis Bad Hersfeld durchfuhr. Einziger kleiner Stop war am Rheinfall.

Karlsruhe

Nachdem ich meine Freundin bei den Schwiegereltern abgesetzt hatte, nochmal ein Tag zur Entspannung von der letzten Tour hatte, machte ich mich erneut auf den Weg.

Als Abschluß meiner Reise war ein Tagesausflug zum Karmann Ghia Classics Treffen in Karlsruhe-Knielingen geplant. Meiner war einer von 66 runden Typ 14 Karmann-Ghias und stand ungefähr in der Mitte der ersten Reihe.

Leider habe ich nicht den Preis für die weiteste Anreise erhalten, obwohl ich seit fast 10000km nicht mehr zuhause war - mir wurden nur die paar Kilometer bis Berlin anerkannt. Gewonnen hatte jemand mit lächerlichen 1000km - tse, tse, tse... ;-)

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Es war natürlich schön zu sehen wir der Rekord der meisten eckigen Typ 34 Karmann-Ghias auf einem Platz mit 32 Fahrzeugen gebrochen wurde (samt einem Prototypen und zwei Cabriolet Prototypen). Herzlichen Glückwunsch! (Der Rekord wurde 2005 beim 50 Jahre Karmann-Ghia Treffen in Georgsmarienhütte übertroffen.)

Auch sonst war es eine gelungene Veranstaltung und nochmal meinen Dank an den Karmann-Ghia Club Karlsruhe!

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Wieder zurück in Hessen feierten wir noch den Geburtstag der Mutter meiner Freundin.

Der Weg nach Berlin über Hannover war nach dieser Reise nur noch eine kleine Spazierfahrt!

Bis zur nächsten großen Tour...


Revision: 2018/02/21 - 03:16 - © Rolf-Stephan Badura