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Historie Ghia 1915-2002

Das Design des Volkswagen Karmann-Ghia stammte von der italienischen Firma Carrozzeria Ghia S.p.A. aus Turin.

Ähnlich wie Karmann war auch Ghia zu dieser Zeit an keine Automarke gebunden, und aus der Feder der Ghia-Designer stammen viele schöne und auch bekannte Sportwagen für Alfa Romeo, Fiat, Lancia - später Ford, Lincoln, Chrysler und eben auch für Karmann den Karmann-Ghia. Vielen dürfte auch der De Tomaso Pantera mit Ford Technik bekannt sein.

Gründer der Firma war Giacinto Ghia - geboren in Turin am 18. September 1887 - gestorben 1944. Er ging bei einem Kutschenbauer mit 13 in die Lehre, erlebte die aufstrebende Automobilindustrie als Mechaniker und in erlitt 1915 als Testfahrer bei der Firma Diatto einen schweren Unfall, bei dem er sich beide Beine brach. Seine ersten Arbeiten als Automobildesigner entstanden daher 1915 in der Via Tomaso Grossi. 1921 zog er mit seinem Schwager und Partner Gariglio in neues Gebäude in der Corso Valentino, heute Corso Guglielmo Marconi, 4. Die ersten Arbeiten entstanden für Diatto (heute bekannt als Maserati) und andere Sportwagen. Nach einigen wechselnden Partnern kam 1926 Ghias Schwager Giorgio Alberti hinzu. 1944 wurden bei einem Luftangriff die Maschinenanlagen nahezu zerstört - Giacinto Ghia war zu dieser Zeit bereits schwer krank. Seit 1953 ist die Sitz der Firma die Via Agostino da Montefeltro 5 in Turin.

In der Schweizer Stadt Aigle wurde 1948 die Tochterfirma Carrosserie Ghia S.A., Aigle bzw. kurz Ghia-Aigle gegründete, von der sich aber Ghia bald wieder 1953 trennte. Aber Ghia-Aigle präsentierte 1957 auch ein leichtes Sportcoupé auf VW-Käfer Basis, das mit Ladegebläse seinerzeit beachtliche 150km/h erreichte.

Nach Giacinto Ghia Tod 1944 übernahmen Mario Boano und Giorgio Alberti die Carrozzeria Ghia. Nachdem Boano 1953 Ghia verließ und zu Fiat wechselte, leitete Luigi "Gigi" Segre (1919 - 1963) die Geschicke der Firma und spielte damit auch eine tragende Rolle beim VW Karmann-Ghia, nachdem er Wilhelm Karmann jun. (1914 - 1998) beim Genfer Autosalon im Frühjahr 1953 kennenlernte und sein Problem mit VW bzw. Heinrich Nordhoff (1899 - 1968) bei dem Wunsch einen Sportwagen zu schaffen. Im Herbst 1953 bereist präsentierte Segre überraschend Wilhelm Karmann in Paris den sehr gelungenen Prototypen, der auch bei VW später im November samt der nötigen Kalkulationen zur Fertigung Wohlgefallen fand. Der Volkswagen Karmann-Ghia war geboren. Im Sommer 1955 konnte er der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Bei den Kontakten und Aufträgen für Chrysler und später Ford fällt auch der Name Virgil Max "Ex" Exner sen. (1909 - 1973), bekannt durch Forward Look und Heckflossen-Design. Sein Sohn Virgil Exner, Jr. (1933 - ) hat während der Studienzeit und danach auch bereits für und mit Ghia arbeiten dürfen. Möglicherweise hat er auch am Karmann-Ghia mitgearbeitet. Manche sprechen heute den Design-Erfolg Virgil Exner zu Gute und leiten Ähnlichkeiten zu Chrysler Modellen her - insbesondere dem bei Ghia gefertigten 1953 Chrysler Ghia Special. Das Design des Karmann-Ghia findest sich aber genauso gut auch bei anderen italienischen Autos wieder - hingegen trug der US-Geschmack ganz andere Stilblüten und auch Virgil Exner Abschlussarbeit 1958 zum Studium trug eine eher futuristische US-Formensprache. Wahrscheinlicher haben sich beide Strömungen gegenseitig befruchtet in dieser Zeit.

Nach dem Tode Segres 1963 bei einer Operation übernahm ab 1965 der nicht unbekannte Giorgio Giugiaro (1938 - ) die Leitung der Designabteilung. Er verließ um 1968 Ghia und gründete das heute noch erfolgreiche Designstudio Italdesign Giugiaro - bekannt z.B. im Zusammenhang mit VW zu Beginn der 70er mit dem Design für Passat, Golf, Scirocco, uvm. - aber zuvor auch den brasilianischen VW Karmann-Ghia TC.

Der argentinische Rennfahrer Alejandro de Tomaso (1928 - 2003) übernahm ab 1967 die Firma Ghia - heute noch bekannt durch Sportwagen wie den De Tomaso Pantera. Viele der Designer aber verließen Ghia - de Tomaso war anscheinend kein einfacher Zeitgenosse. De Tomaso hatte bereits enge Kontakte mit Ford für seine Sportwagen auch vor seiner Zeit bei Ghia geknüpft. 1970 verkaufte er seine Anteile an Ghia an Ford. Seit 1973 nutzt Ford den Namen Ghia für gehobene Ausstattungsvarianten.

Die Jahre danach war Ghia nur noch eine Design Studio für Ford - immer noch an der seit 1953 historischen Adresse:

2002 ließ Ford die meisten Prototypen versteigern und alle Aktivitäten bei Ghia einstellen - das schleichende Ende einer ehemals angesehenen Automobil-Design-Firma...


Revision: 2018/02/21 - 03:10 - © Rolf-Stephan Badura