Nadellager in Bundbolzenvorderachse

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André Jenczmionka
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Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von André Jenczmionka »

Dear folks and fellow countrymen :mrgreen:

Neue Frage vom fleißig vor sich hin restaurierenden André (gestern ist die Bodengruppe fertig geworden und lackiert): Ich habe mir unlängst in der Bucht eine neue Bundbolzenvorderachse gekauft. Sie war neu "im Sinne von noch nie verbaut" wie der Anbieter es so schön formulierte; was bei mir an kam war ein Stück, das wohl in einer undichten Scheune lagerte und Lackabplatzer und Flugrost ohne Ende hatte. Sei es drum: Ein Tag mit der Bohrmaschine und Stahlbürste und ein Tag Auftragens von zwei Lagen POR15 Lack später liegt bei mir unten im Keller eine wie neu aussehende Bundbolzenachse.

Nun zur eigentlichen Frage: Ich habe festgestellt, das diese "neue" Achse (innere und äußere) Bakelitbuchsen als Lager enthält, meine alte dagegen bereits Nadellager (zumindest aussen, was hat die innen?). Ich vermute, dass die Vorderachse schon mal getauscht wurde, weil ich meine gelesen zu haben, das bis 1965 wohl alle Karmänner (und damit auch mein 64iger) die Achsen mit Bakelitbuchsen hatten. Was solle ich tun, die Bakelitbuchsen drinlassen (passen dann die Tragarme von der Achse mit Nadellager?) oder die äußeren Bakelitbuchsen rausfriemeln und neue Nadellager stattdessen einbauen? Was ratet Ihr mir?

Viele Grüße,
André

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Andreas Bergbauer
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von Andreas Bergbauer »

Wenn möglich, mach auf alle Fälle Nadellager rein.

Ich kenne die Bundbolzenachse leider nicht so gut, bei der Traggelenkachse sind aussen Nadellager drin, innen aber Metallbuchsen (bei der Bundbolzenmachse noch rein Bakelit) innen aber mit einer Art Bakelit-Reduzierring, ohne den VW Spezialabzieher bekommt man den Ring Lager nur zusammen mit einem kaputten Bakelitteil heraus und das Bakelit gibt es nicht einzeln, also Vorsicht! Ich habe den Fehler gemacht und nun muss ein ABS-Kunststoffring eines Saftpressen-Stempels als Ersatz herhalten...

Jedenfalls: Ab 8/65 gab es ja bereits die Traggelenk-Vorderachse.

Die Nadellager wurden bereits ab 2.3.1960 eingebaut .
Somit ist die Auktions-Achse wesentlich älter, wenn Du Da aussen das Nadellager nicht reinbekommst, dürfte die Aktion für die Katz gewesen sein.
Die Federpakete wirst Du ja umbauen, somit liegt es nach meiner Meinung nur an der Passgenauigkeit der Nadellager (gibts bei CSP). Innen hat sich an der Bakelitbuchse anscheinend nichts geändert bis zur Traggelenkachse.
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André Jenczmionka
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von André Jenczmionka »

Hallo Andreas, wie immer, eine riesen Hilfe, Deine Tipps - danke :thumb:

Ich werde mal die Achsen auf jeden Fall sorgfältig vergleichen wegen Abmessungen und so, aber ich vermute, die Bundbolzenvorderachse gab es nur in einer Ausführung ?! Wenn sie identisch sind, dann kommen die Bakelitbuchsen raus - mal sehen, evtl. kriege ich sie unzerstört raus, ansonsten werden sie gesprengt. Kriegt man die Nadellager eigentlich ohne Presse selbst eingermaßen sauber rein, z.B. leicht eingeschmiert und dann ein flaches Holz aufgelegt und vorsichtig mit dem Gummihammer eingetrieben?

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André Jenczmionka
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von André Jenczmionka »

Gleich nochmal die nächste Frage zu diesem Thema: Die Federpakete, sollen die eine "lose Blattsammlung" sein oder sind die mit einander verschweißt, d.h. fest miteinander verbunden? Ich habe das erste, untere Federpaket draußen (welche deutlich leichter zu tordieren ging, als die obere) und mußte feststellen, dass die Blätter nicht miteinander verbunden sind, sondern nur lose "gestapelt"... habe mich gefragt, ob das so sein soll... :roll:

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Andreas Bergbauer
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von Andreas Bergbauer »

Ja, die sind nur gestapelt, die können ja weder links noch rechts aus, werden ja über die Traghebel begrenzt... :mrgreen:
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André Jenczmionka
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von André Jenczmionka »

Brauche nochmal Rat... :hilfe:

Ich habe meine Bundbolzenachse nun zerlegt. Was mir aufgefallen ist, ist dass die Achsrohre der Tragarme jeweils an einer Stelle blau angelaufen sind, und zwar nicht an den Lagerstellen, wo man es vermuten würde, sondern genau zwischen der inneren und äußeren Lagerstelle im Bereich wo eigentlich nur Fett ist... oder stammt das von den tordierten Federpaketen in ihrem Innern? Ist das normal (und unbedenklich)?

Des Weiteren weisen die Lagerstellen, wie nicht anders zu erwarten nach all den Jahren, leichte Einlaufspuren an den Lagerstellen auf. Innen, dort wo sie in der Bakelitbuchse sitzen, etwas mehr und leicht riefig; aussen, am Nadellager, nur leichte, sichtaber Spuren der Nadelwalzen auf der (belasteten) Oberseite. Auch sitzen die Tragarme bei entfernten Federpaketen ziemlich satt ohne nennenswert spürbares Spiel in den Rohren. Nun die Frage, was machen? Folgende Optionen sehe und bin für Euren Rat dankbar:

a) Neue Nadellager (und innenliegende Bakelitbuchsen?) prophylaktisch verbauen, um etwaiges Spiel zu eliminieren
b) Alte Tragarme behalten und entweder wieder in ihre bisherige Rohrseite einbauen oder die Seiten tauschen, damit die noch gut erhaltenen (noch nicht belasteten) Seiten mal, im wahrsten Sinne des Wortes, zum "Tragen" kommen
c) Doch neue Tragarme verbauen in Kombination mit "a"

Was meint Ihr?

Danke für jeden Tipp !

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André Jenczmionka
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von André Jenczmionka »

Nachdem ich weiß, wie gerne Ihr Bilder mögt :mrgreen: .... hier mal zwei Aufnahmen von einem der oberen Tragarme mit den etwas stärker ausgeprägten Verschleißspuren (die unteren Tragarme sehen interessanterweise besser aus):

Hier die Oberseite mit den Einlaufspuren des Nadellagers und der weniger belasteten und damit weniger verschlissenen Andruckstelle des Bakelitlagers (inkl. VW Prägestempel in der Mitte):
Bild

HIer die Unterseite des Tragarms mit besagter, blau-angelaufener Stelle und der leicht riefigen Andruckstelle des Bakelitlagers (der Nadellager-Bereich sieht noch top aus, da ja nicht belastet):
Bild

Was meint ihr... noch brauchbar so oder sollte man den Tragarm ersetzen (oder reicht ein Seitentausch um die noch gut erhaltenen Flächen zum Einsatz zu bringen)? Nadellager auch wechseln?

Danke nochmals im Voraus für Euren Rat!

Viele Grüße,
André

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Hans Weberhofer
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von Hans Weberhofer »

Hallo Andrè
In einer alten Reparaturanleitung steht:
Bei nur geringem Verschleiß können rechter und linker oberer, und rechter und linker unterer Traghebel ausgetauscht werden.
Eine Ferndiagnose über die Bilder, ob es ein geringer Verschleiß ist, ist schwer zu sagen.

Mein Vorschlag:
Es gibt sicher noch Mechaniker in VW-Werkstätten die bei den „Käferln“ in den 60er und 70er Jahren gelernt haben. Nach Begutachtung bzw. Vermessung der Traghebel kann so Mechaniker sicher einen Tipp abgeben.

Gruß
Hans
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Andreas Bergbauer
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von Andreas Bergbauer »

Hallo André,

da ich ja eine Traggelenkachse habe, habe ich mit der Antwort etwas gewartet, aber die betreffenden Stellen sind nahezu identisch.

Leichte Abnützungen machen nichts aus, das Spiel der Bundbolzen ist wesentlich höher als das der Traghebel und ein Muster an Spurtreue ist diese Achse sowieso nicht.
Wichtig ist, dass es lediglich im Bereich, wo die Wälzchen auflagen, keine Riefen oder ähnliches gibt, der Rest ist normeler Verschleiß und nicht weiter tragisch.
Hinzu kommt nich, dass das Nadellager, einige Grad verdreht eingebaut, an den unbenutzten Stellen des Achsschenkels reibt. Die originalen Furchen zu treffen,ist schon eher ein Glücksspiel. Und mach mal die Fingerprobe, wenn Diú beim drüberstreichen mit der Fingerkuppe keine Vertiefungen spürst, ist die Abnützung äusserst gering.

Zusätzlich kann man den Schenkel ohne Dichtungsring un die Achse reinstecken und das Spiel per Hand prüfen, wenn die nicht abgenutzten Hebel in etwa identische "Luft" haben, dann lass die Traghebel drin.

Bei meiner Achse hingegen war ein unteres Nadellager vollkommen verschwunden, der Traghebel fiel nur noch herum. Ich bin damit x-mal durch den TÜV ohne Probleme gekommen!! Ich habe es zufällig beim Aufbocken des Autos gemerkt, als der Hebel entlastet war. Der Wagen hatte einen Unfall in grauer Vorzeit, die Achse wurde aber erst 1991 gerichtet, das Nadellager war wohl nach dem Geradebiegen beschädigt und so ist es "verschwunden".

Danach habe ich einen aufbereiteten Traghebel gekauft, die sind mit irgendeiner Galvanisvchen Methode aufgedoppelt, um an das originalmaß zu kommen. Der alte Traghebel war mit 2mm tiefen Furchen übersäht...
Jetzt funktioniert es wieder.

Die blauen Spuren kommen vom Härten des Materials und sind bei mir an allen vier Hebeln zu sehen.
Das in der Achse befindliche Rohr ist auch am äusseren Hebel angeschweißt, soweit ich mich erinnere.

ich hoffe, diese "Praqxiserfahrings-Infos" reichen aus. Bitte beachte aber, dass ich oft die Repanleitungen erst nach vollbrachter Tat lese und mir danach oft denke "mann, bin ich froh, das alles nicht gewusst zu haben".

Trotzdem fährt das Auto noch wie eine Eins. Selbst meine "verdreht" eingebauten teilbaren Pendelachsmanschetten sind seit über 20 Jahren dicht. :mrgreen:
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Re: Nadellager in Bundbolzenvorderachse

Beitrag von André Jenczmionka »

Kleine Nachfrage zu Thema Bundbolzen-Achse überholen: Wie baut man die oberen Tragarme am besten ein, und zwar so, dass man nicht gerade seine frisch lackierten Gummi-Puffer-Aufnahmen an der Bundbolzenachse wieder mechanisch "entlackt" (oder sich die Finger verklemmt)? Die Tragarme müssen ja ordentlich vorgespannt sein, um an diesen Puffer-Ärmchen vorbeizukommen. Hat jemand einen guten Praxistipp, wie man das am besten hinkriegt?

Vielen Dank schonmal :D

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