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Tipps

Hier ein paar Tipps für Karmann-Ghia Besitzer und Kaufinteressenten...

Rost

Ein Karmann kann an allen Stellen Rosten, ist aber auch durchaus nicht rostanfälliger als andere Automobile. Vor dem Kauf einer Rostlaube sei aber gewarnt! Das Blech ist zwar dicker als das heutiger Autos, Reparaturbleche und Ersatzteile für den Karmann-Ghia gibt es auch noch, doch wird der Spaß schnell teurer als der dann fertige Karmann-Ghia wert ist.

Aufpassen bezüglich Rost sollte man in der Regel auf:

- vordere Lampentöpfe
- vordere Nasenlöcher
- Luftschächte im vorderen Kotflügel
- Türunterseiten
- Türoberkanten, wenn Dichtungen nicht mehr sitzen
- Ränder von Kofferraum und Motorhaube
- Schweller
- Innenkotflügel
- Unterboden

Manche Ersatzbleche wie Schweller sind zwar mit wenigen 100 Euro günstig, aber es kostet viel aufwand sie korrekt einzubauen. Andere Bleche wie Frontmaske oder Kotflügel kosten bereits mehr als 1000 Euro.

Sicken und Drehstabdeckel

Sicken und Drehstabdeckel sind ab Werk beim Karmann Ghia zu finden.

Oft haben Bastler einfach Bleche in den letzten 30 Jahren über rostende Schweller billig drübergbraten, statt die bisher immer verfügbaren originalgetreuen oder orginalen VW Bleche mit Sicken und Drehstabdeckel zu verwenden. Ein Karmann ohne diese Merkmale lässt auf noch weitere Bastellein oder gar Pfuschereien vermuten - d.h. im Umkehrschluß aber nicht, dass dem so sein muss.

Die Sicken haben keine Funktion - höchsten im Sinne von Sollbruch- oder Sollknautschstellen.

Die Drehstabdeckel dienen zum herausziehen der Federpakete der Hinterachse. Fehlen sie, muss man die ganze Karosse abnehmen um an diese heranzukommen. Aber man muss an diese auch sehr, sehr selten ran. Also kein richtiges Drama, wenn sie diese Öffnungen fehlen.

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Motor

Der Motor ist relativ unproblematisch, da genug Ersatzteile vom VW Käfer und anderer VW-Modelle herangezogen werden können.
Einige Anbauteile wie der Luftfilter wurden aber nur für den Karmann-Ghia eingesetzt.

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Interieur

Schwieriger wird es mit dem Interieur. Sitze können z.B. nicht aus dem Käfer entnommen werden, da die Karmann-Ghia Sitze tiefer liegen. Sie sollten beim Kauf in Ordnung sein.

Da mein Fahrersitz langsam erste große Löcher bekam, habe ich ihn zum Polsterer gebracht. Den Originalpolsterstoff Hahnentrittplatin konnte ich bisher nicht auftreiben, lediglich eine unbeschädigte Rückbank mit diesem Stoff. Der Stoff reichte zwar nicht am Stück für die ganze Fläche, aber das Ergebnis ist akzeptabel.

Scheiben

Im Gegensatz zu fast allen anderen VW-Modellen hat der Karmann-Ghia rahmenlose Türfenster - damit kommt nicht jeder auf Anhieb beim Ein- und Ausbau zurecht.

Verbauchmaterialien

Verbrauchsmaterial wie Scheibenwischer gibt es heute leider nicht mehr an jeder Tankstelle. Man sollte dergleichen also auf Vorrat haben oder Alternativlösungen finden.

Versicherungen

Zu Oldtimer-Versicherungen kann ich nur wenig sagen - ich habe einfach den Oldtimer-Tarif meiner bisherigen Versicherung genutzt (LVM).

In der Ausgabe 2/1998 der Zeitschrift Motor Klassik (Das Oldtimermagazin von auto, motor und sport; ISSN 0177-8862, Vereinigte Motor-Verlage GmbH & Co. KG) ist aber ein Test und Vergleich unterschiedlicher Versicherer. Beim Vergleich schneiden folgende drei Versicherer am besten ab:

Württembergische Versicherung
Postfach
D-70163 Stuttgart
Tel.: 0711-6622260

Agrippina-/Zürich Versicherung
Rhielerstraße 90
D-50668 Köln
Tel.: 0221-71150

Albingia Versicherung
Ballindamm 39
D-20095 Hamburg
Tel.: 040-30220

Bei der Bewertung wurden neben den Kosten auch der Kundenservice und die Fachkompetenz berücksichtigt. Man sollte aber auch mal darauf achten, welche Versicherungen denn im Schadensfall überhaupt freiwillig ohne Rechtsstreitigkeiten zahlen - da bekleckern sich einige nicht gerade mit Kundenfreundlichkeit.

Fahrverhalten

Das Fahrverhalten ist in manchen Situationen gewöhnungsbedürftig.
So sollte man auf rutschigem Untergrund (Herbstlaub, Schneematsch, etc.) vorsichtig mit dem Gas umgehen - sonst wird das Auto zur Heckschleuder und kann nur durch reaktionsschnelles Gegenlenken aufgefangen werden.

Beim Bremsen in Kurven sollte man immer das geringe Gewicht der Frontpartie und des ganzen Wagens bedenken. Der Wagen schiebt schnell mal geradeaus. Also lieber nicht durch gefährliche Kurven rasen.

Die Seitenwindempfindlichkeit empfand ich als relativ hoch - etwa vergleichbar mit einem modernem Kombi.

Nachtfahrten sind nicht gerade lustig mit gealterten Scheiben und veralteter Lichttechnik. Fahrten ohne Mondschein auf unbekannten, engen Landstraßen bescheren einem keine Freude und sollten vermieden werden.

Den Elchtest habe ich noch nicht gemacht, müßte aber ein Karmann-Ghia eigentlich bauartbedingt durch seinen niedrigen Schwerpunkt bestehen... vorausgesetzt Stoßdämpfer und alles andere ist technisch in Ordnung. Ein Typ 3 VW hatte allerdings in den 60ern auch Schwierigkeiten mit Elchen - er kippte bei einer Testfahrt einer Autozeitschrift ebenso um.

Jahrgang

Beim Kauf eines Karmann-Ghias sollte man bedenken, daß jedes Modelljahr seine Vor- und Nachteile hat.
Dabei widersprechen sich zwei Grundsätze:

- je jünger, desto ausgereifter die Technik
- je älter, desto ursprünglicher das Design

Ältere Modell haben meist schwächere Motoren, noch nicht das verbesserte Fahrwerk, noch nicht immer Sicherheitseinrichtungen wie 3-Punkt-Gurte und Kopfstützen und können noch 6Volt Technik haben (man denke z.B. an das Autoradio).

Neuere Modelle haben z.B. die einfachen Kastenstoßstangen, relativ große Rücklichter, die nicht zum ursprünglichen Design passen, haben nicht sehr schöne große, rechteckige, vordere Blinker.

Ich habe seinerzeit nicht lange nach meinem Karmann-Ghia gesucht, sondern mich auf Anhieb in ein am Straßenrand zum Verkauf angebotenes Modell verliebt und gleich zugeschlagen (sollte man nicht machen! Lieber einen Experten auc Clubs zum Kauf hinzuziehen - ersparrt Kosten und Nerven!). Ich bin aber froh, daß es als Modell des Frühjahrs 1970 einen guten Kompromiß zwischen beiden Grundsätzen bildet. Einzig die vorderen, rechteckigen Blinker stören mich.

Fahrgestellnummer

Die Fahrgestellplakette befindet sich im Kofferraum in Höhe des Ersatzrades auf der Beifahrerseite. Sie enthält kodiert einige, wenige Informationen über das Fahrzeug.
Zum einen steht der VW Fahrzeug Typ links oben. Typ 14 ist der runde, erste Karmann-Ghia.

Die Fahrgestellnummer enthält am Anfang nochmal den Typ (14) gefolgt von einer Ziffer für das Baujahr (5=1965, 6=1966, ..., 0=1970, 1=1971, ..., 4=1974). Meine Fahrgestellnummer fängt mit 140 an, steht also für Typ 14 Karmann-Ghia mit Baujahr 1970.

Ferner stehen auf der Plakette zulässiges Gesamtgewicht und Achslasten.

Die Fahrgestellnummer findet man im Fahrzeug auch noch mal unter der abhebbaren Rückbank eingestanzt auf dem Mitteltunnel (siehe Bild, die letzten 3 Nummern meiner Fahrgestellnummer habe ich hier immer rot ausgeXt!). Es gibt Aussagen, daß dort auch Farbcodes und andere Informationen stehen sollen - ich konnte bei mir keinen Hinweis darauf entdecken.


Revision: 2008/11/12 - 07:57 - © Rolf-Stephan Badura