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Unfall

1.10.2008 - ein schwarzer Tag für eine Prinzessin

Es stand ein langes Wochenende bevor, an dem es mit Freunden an die Ostsee gehen sollte. Jeden Tag schaute ich auf die Wettervorhersagen, aber immer mehr Regen statt Sonnenschein vertrübten jeden Optimismus auf eine letzte, größere Oldtimer-Ausfahrt für dieses Jahr.

Also kaufte ich für den Urlaub ein, packte die Koffer und wollte dann meinen Karmann-Ghia in seine Tiefgarage bringen - er stand bis dahin die Tage reisefertig auf dem Hinterhof.

Bei leichten Regen und düsteren Wolken am Himmel macht ich mich also auf. Etwa 2km weit kam ich - auf einer mehrspurigen Straße machte ein Taxifahrer aus dem Stand an einer Bushaltestelle ein Wedemanöver und stand mir unvermittelt quer. Trotz vorsichtiger und gemäßigter Fahrweise zuvor hatte ich bei regennasser Straße keine Chance mehr den Wagen in 2-3 Autolängen zum Stillstand zu bringen...

Hupen, Festhalten und... RUMMMS!!!

Die hintere Tür des Taxis hatte gelitten - den Schaden am Karmann-Ghia war heftig. Aber zum Glück war keiner verletzt!

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Nach Aufnahme der Unfalldaten wurde mein Karmann-Ghia zu meiner Oldtimer-Werkstatt verbracht. Der Schaden zog sich über die Stossstangen und Stossstangenhalter auf die seitlichen Schottbleche, die rechte Frontmaske, den rechten Kotflügel, der bis auf das Vorderrad gedrückt wurde. Der rechte Scheinwerfer war nur noch vaporisiert.

Viele teure Blechteile und viel Handarbeit machen daraus einen recht teuren Schaden. Bei Zustand (Gutachten 2+) meines Karmann-Ghias aber noch keinen Totalschaden.

Doch obwohl die Sach- und Schuldlage klar war, zog sich die Schadensregulierung über Monate hin, da vom Unfallgegner immer wieder neue Versuche gestartet werden, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Eine Ausfallentschädigung gibt es nur für die reine Reparaturzeit - die Kosten muss man selber vorschiessen - nur Zinsen gibt es zurück nach deutschem Recht. Wer soviel Kleingeld nicht in der Portokasse hat zum Vorstrecken der Reparaturkosten und dafür sich nicht verschulden möchte (zumal Recht haben und Recht bekommen nicht garantiert sind), schaut in die Röhre... (Wir hatten/haben gerade noch ein anderes teures, freiwilliges und heftiges Restaurierungsprojekt in der Garage: unseren 1979er VW T2 Bulli).

Über einen solchen Zeitraum (5 Monate) wird man jede Woche mürber - fast wöchentlich wird man durch Anwaltsschreiben, Versicherungen, Zeugenaussagen; Werkstattfragen etc. immer wieder mit dem Problem konfrontiert. Durch dieses Marthyrium leiden auch Familie und Umfeld.

Anfang März - nach über 5 Monaten - endlich die gute Nachricht: der Schadensfall wird zu 100% von den Versicherung des Unfallgegners übernommen. Teilekauf und Reparaturen können endlich durchstarten.

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Ende April - nach 7 Monaten - nimmt der Karmann langsam wieder Formen an. Ein seltener original Kotflügel konnte noch aufgetrieben werden und eine gute Repro-Frontmaske und einige weitere Blechteile mussten verbaut werden. Die Arbeiten gestalteten sich recht schwierig bei diesen runden Formen und wenig markanten Richtpunkten. Ausserdem mussten die vielen kleinen Anbauten - Wagenheberhalterungen, Hupenbefestigungen, Blinkerhalterungen, ...) aus den alten Blechteilen rausgeschnitten werden und passgenau an die neuen Bleche angebracht werden. Alle Übergänge wurden sauber mit Zinn aufgefüllt. Kleine Beulen durch Lagerschäden in den alten Blechteilen aufgefüllt werden. In den kommenden Wochen soll die Lackierung fertig sein, dann noch eine Woche (sehr optimistisch gerechnet!) für Montage und Kleinteile.

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Ende Mai - nach fast 8 Monaten ist er endlich wieder auf der Straße - noch gerade rechtzeitig zum Treffen Mitte Juni in Verona (Italien).

Blech und Lack sind wieder in Ordnung und lassen von einem Unfall nichts erahnen. Stosstangen sind leider nur in Repro-Qualität erhältlich gewesen und wirken wellig - wenn auch in frischen Chromglanz. Ich werde die nächsten Jahre die leicht verbeulten Stossstangenteile wieder teuer aufarbeiten lassen müssen.

Hier und da gibt es auch noch ein paar verbaute Reproteile, die nicht sofort ersichtlich sind.

Unbezahlte Folgeschäden bleiben also: ich rechne mit ca. 1000 Euro, die ich noch in die vollständige Wiederherrichtung stecken werde, plus mindestens ca. 400 Euro für einige sonnige Wintertage und Frühlingsmonate, die ich mit Bus und Bahn fahren durfte statt im geliebten Oldtimer, plus mindestens 600 Euro Garage etc. für ein halbes Jahr Rückstand beim Bulliprojekt, plus 2000 Euro für einen satten Erholungsurlaub für meine Familie und mich... das kann ich aber in den Wind schreiben...

Es hat viele Nerven und zahlreiche schlaflose Nächte gekostet, meine miese Stimmung hat auch meine Familie belastet, mich locker ein halbes Jahr auch bei anderen Projekten (z.B. T2 Bulli Restauration) ausgebremst, ... eine Entschädigung dafür gibt es nicht. Das Drama ist aber nun beendet.

Ich wünsch Euch allen immer gute und unfallfreie Fahrt!

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Revision: 2018/02/21 - 03:16 - © Rolf-Stephan Badura